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Plastik-Pfand als europaweites Erfolgsmodell

Pfandsysteme und verpflichtende Mehrwegquoten tragen maßgeblich dazu bei, Plastikmüll zu vermeiden. Viele europäische Staaten setzen solche Modelle bereits erfolgreich um – wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass ein Pfandsystem in Österreich die beste Alternative zur Erreichung einer Sammelquote von 90 Prozent wäre.

Die von der EU geplante Plastiksteuer würde heimische Steuerzahlerinnen und Steuerzahler laut aktuellen Berechnungen rund 180 Millionen Euro pro Jahr kosten. Um dies zu vermeiden und Plastikmüll aus der Natur zu holen, hat Klimaschutzministerin Leonore Gewessler einen 3-Punkte-Plan gegen die Plastikflut vorgestellt, bei dem das Pfandsystem eine zentrale Rolle spielt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Erfahrungswerte bekräftigen diesen Weg, wie auch die Ergebnisse der Studie „Möglichkeiten zur Umsetzung der EU-Vorgaben betreffend Getränkegebinde, Pfandsysteme und Mehrweg“ untermauern.

„Ein Pfandsystem ist insgesamt die effizienteste Lösung, EU-Sammelquoten zu erfüllen. In vielen Ländern Europas funktioniert Pfand schon jetzt: Deutschland hat eine Sammelquote von 98 Prozent, Kroatien 96 Prozent, die Niederlande 95 Prozent. Das heißt: Mit Pfand als einer von drei nötigen Maßnahmen – neben Mehrweg und der Herstellerabgabe – schaffen wir in Österreich einen großen Schritt zu weniger Plastikmüll in der Natur und für weniger Steuergeld nach Brüssel.“ erklärt Gewessler.
Pressekonferenz mit Walter Hauer, Bundesministerin Gewessler und Christian Abl
Bundesministerin Leonore Gewessler mit Christian Abl, Geschäftsführer ÖPG Pfandsystemgesellschaft, und Walter Hauer vom Technischen Büro, Foto: BMK / Cajetan Perwein

Laut aktuellen Umfragen befürworten bereits 83 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ein Pfandsystem.

Expertinnen und Experten des Technischen Büros Hauer, der Universität für Bodenkultur und der Montanuniversität Leoben haben Maßnahmen zur Erreichung der in der EU Single-Use-Plastics-Richtlinie vorgegebenen Sammelquoten untersucht, Lösungsansätze erhoben, die dafür erforderlichen Aufwendungen berechnet und bestehende Pfandsysteme in Europa analysiert.

Über 90 Prozent Sammelquote

Laut Studie ist das Erreichen von Getrenntsammelquoten über 75 Prozent unrealistisch. Hingegen bestätigt die Studie, dass ein Pfandsystem die effizienteste und kostengünstigste Variante ist, um die von der EU bis 2029 vorgeschriebene Getrenntsammelquote von 90 Prozent zu erreichen. In anderen Varianten müssten bis zu 1,1 Millionen Tonnen Restmüll mit hohem Kostenaufwand nachsortiert werden. Die Studie ergab des Weiteren, dass in europäischen Ländern mit Pfandsystem die Sammelquoten von Plastikflaschen und Dosen auf weit über 90 Prozent ansteigen (Deutschland erfasst 98 Prozent der PET-Flaschen über das Pfandsystem). Auch die Recyclingrate bzw. die Kreislaufwirtschaft wird dadurch begünstigt und die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll verringert. Schon zehn Staaten – Deutschland, Schweden, Island, Niederlande, Kroatien, Litauen, Finnland, Norwegen, Dänemark und Estland – haben ein solches Pfandsystem erfolgreich eingeführt. Weitere acht Staaten haben bereits beschlossen, ebenfalls ein solches System einzuführen.

Studie und weiterführende Informationen

Plastik-Sammelquoten
Plastik-Sammelquoten in Ländern mit Pfandsystem, Foto: BMK

3-Punkte-Plan gegen Plastikflut

In Österreich fallen jährlich bereits 900.000 Tonnen Plastikmüll an. Die Tendenz steigt, laut Schätzungen des Umweltbundesamts auf rund eine Million Tonnen bis 2021. Die Recyclingquote liegt aktuell bei rund 25 Prozent, der Rest wird verbrannt. Auch die Mehrwegquote ist von 80 Prozent im Jahr 1995 auf aktuell nur noch 19 Prozent gefallen.

Ab 2021 wird die EU von ihren Mitgliedstaaten eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen einfordern. Nicht nur für den Schutz der Umwelt, auch aus rein finanzieller Sicht macht es daher Sinn, die „Plastikflut“ deutlich zu reduzieren. Das BMK setzt mit seinem 3-Punkte-Plan auf mehreren Ebenen an:

  1. Der Anteil an Mehrweggetränkeverpackungen (typischerweise Mehrweg-Glasflaschen) im österreichischen Einzelhandel soll über eine Mehrwegquote spürbar gesteigert werden.
  2. Ein Einwegpfandmodell wird gemeinsam mit Stakeholdern (Getränkehersteller, Sammel- und Verwertungssysteme, Handel, Entsorger & Zivilgesellschaft) im Klimaschutzministerium erarbeitet. Künftig soll beim Kauf von Einweggetränkeverpackungen (Plastikflaschen und Dosen) ein Pfand eingehoben werden und so zu weniger Plastikmüll in der Natur und mehr Recycling führen.
  3. Dem Verursacherprinzip folgend wird von Produzenten und Importeuren künftig eine Herstellerabgabe in Höhe von durchschnittlich 80 Cent pro Kilogramm in Verkehr gebrachter Plastikverpackungen eingehoben.

EU-Plastiksteuer und österreichische Herstellerabgabe

Gemäß Beschluss des Europäischen Rates vom 21. Juli 2020 sollen die Mitgliedstaaten ab 2021 einen Beitrag in Höhe von 80 Cent pro Kilogramm nicht recycelter Kunststoffverpackungen leisten. Diese Plastiksteuer würde die Österreicherinnen und Österreicher laut aktuellen Berechnungen 180 Millionen Euro pro Jahr kosten. Durch die Einführung eines Pfandes kann die Recyclingquote wesentlich erhöht und damit auch die Steuerlast verringert werden.

EU-Single-Use-Plastics-Richtlinie

Die EU-Single-Use-Plastics-Richtlinie sieht vor, dass Getränkeflaschen aus Kunststoff (derzeit werden in Österreich rund 1,6 Milliarden jährlich in Verkehr gesetzt) bis zum Jahr 2025 zu zumindest 77 Prozent und bis zum Jahr 2029 zu zumindest 90 Prozent getrennt gesammelt werden müssen. Aktuell beträgt die Sammelquote in Österreich 70 Prozent.