Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrungen auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu. Erfahren Sie mehr

Mythen und Fakten

Viele Mythen ranken sich um Lebensmittelabfälle – Wo diese entstehen, wie viel weggeworfen wird, und grundsätzlich, warum das überhaupt der Fall ist, wird in den folgenden Beiträgen beleuchtet.

Grüne Bohnen
Grüne Bohnen, Foto: BMLRT / Alexander Haiden

Lebensmittelabfälle fallen entlang der gesamten Wertschöpfungskette an – von der Produktion, über die Verarbeitung, den Transport, den Handel, dem Außer-Haus-Konsum bis zum Endverbrauch. Das ist neben einer enormen Verschwendung von Ressourcen wie Wasser, Boden, Energie auch ein moralisches Problem.

Wo fallen die Abfälle an und welche Maßnahmen werden gesetzt, um Lebensmittelabfälle zu verringern? Und was kann jede und jeder Einzelne tun? Das Bundesministerium ist diesen Mythen nachgegangen und hat zu den gängigsten Bereichen die entsprechenden Fakten erhoben.

Mythos 1: Im Handel werden die meisten Lebensmittel weggeworfen

Fakt ist: Die meisten Lebensmittel werden von privaten Haushalten weggeworfen. Rund 157.000 Tonnen landen jährlich in Österreich von privaten Haushalten im Restmüll. Aber natürlich fallen vermeidbare Lebensmittelabfälle auch im Lebensmittelgroß und –einzelhandel oder bei Märkten et cetera an.

In Österreich gibt es eine sehr gute Datenlage zu Lebensmittelabfällen im Lebensmitteleinzelhandel. Unternehmensinterne Aufzeichnungen zu Lebensmittelabfällen wurden über den Zeitraum von einem Jahr vollständig erfasst. Die Summe an Lebensmittelabfällen betrug im Jahr 2013 ca. 74.100 Tonnen. Außerdem wurden 35.600 Tonnen nicht verkauftes Brot und Gebäck an Lieferanten retourniert.

Den mit Abstand höchsten massebezogenen Anteil haben mit knapp 50 Prozent Obst und Gemüse, sowie Brot und Backwaren, gefolgt von Wurst und Selchwaren, Halbfertig- und Fertigprodukte, Molkereiprodukten und Frischfleisch, -fisch und -geflügel.

Fazit: Wichtig ist, uns vor Augen zu führen, welchen Einfluss unser Kaufverhalten hat. Wir greifen gerne zu den Lebensmitteln mit möglichst langem Mindesthaltbarkeits- (MHD) oder Verbrauchsdatum, obwohl diese in wenigen Tagen verbraucht werden. Der Handel setzt zahlreiche Maßnahmen um, zum Beispiel ein angepasstes Bestellwesen, Abverkaufskleber auf Lebensmitteln, die bald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen, oder Schwarzbrot vom Vortag wird zu reduzierten Preisen angeboten .

Mythos 2: In Großküchen und in der Gastronomie werden kaum Lebensmittel weggeworfen

Fakt ist: Beim Außer-Haus-Konsum fällt die zweigrößte Menge an Abfällen an. Lebensmittelabfälle entstehen in Großkantinen (Betriebe, Schulen, Krankenhäuser), beim Catering, in Gastronomiebetrieben wie Restaurants und Gasthäusern oder in Beherbergungsbetrieben (Hotels, Pensionen).

Im Rahmen der Initiative United Against Waste wurden in 50 österreichischen Küchenbetrieben Erhebungen durchgeführt. Das Ergebnis: Der Lebensmittelabfall lag in den Testbetrieben bei 3-46 Prozent des ausgegebenen Essens – ohne Zubereitungsreste. Österreichweit entstehen jährlich 61.000 Tonnen in der Gemeinschaftsverpflegung, 50.000 Tonnen in der Beherbergung, rund 45.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle in der Gastronomie sowie 19.000 Tonnen in sonstigen Betrieben wie zum Beispiel Kaffeehäusern.

Fazit: Durch bewusste Planung und die Vermeidung von Buffet- und Tellerresten, zum Beispiel durch das Angebot von kleineren Portionen, können Lebensmittelabfälle bei der Außer-Haus-Verpflegung verringert werden.

Fragen Sie nach einer Tafelbox, wenn Sie die Portion nicht auf einmal aufessen können!

Mythos 3: Der Lebensmittelhandel darf Lebensmittel nicht spenden

Fakt ist: Soziale Einrichtungen bekommen vom Handel und von Produzenten hunderte Tonnen nicht mehr verkaufsfähige, aber voll genussfähige Lebensmittel. Die Spenden kommen fast zur Gänze bedürftigen Personen zugute.Von den sozialen Einrichtungen wurden 2013 rund 11.000 Tonnen Lebensmittel übernommen, verteilt oder verkauft. Tatsächlich werden davon 94 Prozent als Nahrungsmittel verwendet. Laut der Untersuchung "Weitergabe von Lebensmitteln in Österreich" kommt mehr als die Hälfte der Warenspenden vom Lebensmittelhandel, der andere Teil von Bäckereien, Großhandel, Lebensmittelproduzenten, landwirtschaftlichen Betrieben, Märkten und fallweise auch Privathaushalten.

Fazit: Die Weitergabe von nicht mehr verkaufsfähigen, aber noch voll genussfähigen Lebensmitteln ist gelebte Nachhaltigkeit – sie kommen Menschen zugute. Die sozialen Einrichtungen ersparen sich die teure Anschaffung von Lebensmitteln oder die Spenderinnen und Spender die Entsorgungskosten. Darüber hinaus ist es sowohl ethisch als auch sozial nachhaltig, Lebensmittel ihrem ursprünglichen Zweck – dem Verzehr – zuzuführen.

Mythos 4: "Fairteiler" sind nur bestimmten Menschen zugänglich

Fakt ist: FairTeiler sind mit Lebensmitteln gefüllte Kühlschränke in Gebäuden wie zum Beispiel Volkshochschulen, Cafes, Geschäften, die zu bestimmten Öffnungszeiten frei zugänglich sind. Es ist keinerlei Anmeldung oder Nachweis erforderlich, um überschüssige Lebensmittel weiterzugeben oder Lebensmittel aus dem FairTeiler zu entnehmen.

Für die Nutzung der Foodsharing Plattform ist jedoch eine Registrierung mit E-mail-Adresse und Passwort erforderlich (foodsharing.at). Lebensmittelhygiene steht ganz vorne bei den Foodsharing Regeln, daher sind Produkte mit Verbrauchsdatum wie roher Fisch, Geflügel oder anderes Frischfleisch ausgeschlossen beziehungsweise werden aussortiert. Es gibt jeweils eine/n Verantwortliche/n, die/der sich um Reinigung, Befüllung, Aussortierung et cetera der Fair-Teiler Kühlschränke kümmert.

Fazit: Foodsharing ist eine Initiative in Österreich, um Lebensmittel aller Art zu verwenden, die Internationalisierung von Foodsharing voranzubringen und Veranstaltungen zum Thema zu organisieren. Foodsharing ist kostenlos und nicht kommerziell. Die Plattform basiert zu 100 Prozent auf ehrenamtlichem und unentgeltlichem Engagement.

Mythos 5: Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten, ist das Lebensmittel verdorben

Fakt ist: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist eine Hersteller-Empfehlung. Viele Lebensmittel landen im Abfall, obwohl sie noch genießbar wären. Wir vertrauen dem gedruckten Datum mehr als unseren eigenen Sinnen – Sehen, Riechen, Schmecken. Viele Produkte sind nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums einwandfrei genießbar.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD ), Verbrauchsdatum und Ablaufdatum – alles dasselbe?

Umgangssprachlich wird immer vom Ablaufdatum geredet, aber es gibt nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum und ein Verbrauchsdatum. Um unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- (MHD) und Verbrauchsdatum zu kennen.

„mindestens haltbar bis …“

Verpackte Lebensmittel müssen ein MHD tragen. Das ist jener Zeitpunkt, bis zu dem das Lebensmittelunternehmen garantiert, dass das Produkt bei richtiger Lagerung und geschlossener Verpackung seine spezifischen Eigenschaften behält (z. B. Geschmack, Aussehen, Konsistenz, Nährwerte …). Es wird vom herstellenden Unternehmen festgelegt. Auch darüber hinaus können Lebensmittel genießbar sein. Zu beachten ist, dass das MHD nur für original verschlossene Verpackungen gilt. Nach dem Öffnen der Verpackung kann durch die Zufuhr von Sauerstoff, Feuchtigkeit und Mikroorganismen der Verderb verursacht und beschleunigt werden.

Das MHD wird mit den Worten „mindestens haltbar bis…“ und dem Datum angegeben. Ware, deren MHD überschritten wurde, kann weiterhin verkauft werden, wenn sichergestellt ist, dass die Lebensmittel noch in Ordnung sind. Im Handel müssen Lebensmittel mit überschrittenem MHD entsprechend deutlich und allgemein verständlich gekennzeichnet werden. Neben dem MHD sind verpackte rohe Eier fallweise auch mit einem Verkaufsdatum (21 Tage nach dem Legedatum) gekennzeichnet. Nach dem Ablauf des Verkaufsdatums dürfen rohe Eier im Handel nicht mehr abgegeben werden, die Eier können jedoch weiterhin verwendet werden.

„zu verbrauchen bis …“

Das Verbrauchsdatum wird bei sehr leicht verderblichen Lebensmitteln verwendet. Das Verbrauchsdatum ist für frisches Fleisch, Innereien, Knochen, rohes Wurstbrät, rohe Bratwürste, frischen Fisch und Rohmilch vorgeschrieben. Bei diesen Lebensmitteln müssen unbedingt die angegebenen Lagerungsbedingungen (Kühltemperaturen) eingehalten werden. Lebensmittel sollten nach Ablauf des Verbrauchsdatums nicht mehr verzehrt werden, da diese gesundheitsschädlich sein können.

Fazit: Das MHD gibt an, wie lange ein Lebensmittel „mindestens” haltbar ist und somit sind viele Lebensmittel auch nach diesem Datum noch genießbar. Bitte die Lebensmittel prüfen (Aussehen, Geruch, Geschmack) und entscheiden, ob sie noch genießbar sind. Wenn das Verbrauchsdatum überschritten ist, wird vom Verzehr abgeraten. Es besteht die Gefahr, dass sich bei leicht verderblichen Lebensmitteln Keime und Bakterien entwickeln und vermehren.

Mythos 6: In der Lebensmittelproduktion werden keine Lebensmittel weggeworfen

Fakt ist: Jede unserer Kaufentscheidungen für saisonale und regionale Lebensmittel hilft Lebensmittelverluste und -abfälle zu vermeiden. Lebensmittelabfälle entstehen auch in der Lebensmittelproduktion. Während der Weiterverarbeitung entstehen Prozessverluste, die die Menge vermarktungsfähiger Ware reduzieren, ehe diese die Handelswege erreicht.

Ein Großteil der Verluste ist bei der industriellen Weiterverarbeitung von tierischem und pflanzlichem Rohmaterial für die Veredelung zu Ernährungszwecken, zum Beispiel bei Wasch-, Schnitt- und Kochprozessen, kaum vermeidbar.

Fazit: In der Lebensmittelproduktion entstehen neben unvermeidbaren Verlusten auch vermeidbare Lebensmittelabfälle. Wir Konsumentinnen und Konsumenten greifen immer zu den Lebensmitteln mit möglichst langem Mindesthaltbarkeitsdatum. Nudeln oder Paradeissauce müssen mindestens ein halbes Jahr haltbar sein, obwohl sie morgen verkocht oder gegessen werden.

Mythos 7: Es gibt keine Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung

Fakt ist: Das Bundesministerium startete die Initiative "Lebensmittel sind kostbar". Mit 70 Partnerinnen und Partnern werden Maßnahmen gegen die Verschwendung gesetzt. Sowohl in Österreich als auch in den europäischen Institutionen gibt es eine Reihe von Initiativen gegen die Lebensmittelverschwendung. Hier wurde der Reduktion von Lebensmittelverschwendung hohe Priorität eingeräumt.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen, hat die Europäische Kommission am 2. Dezember 2015 ein neues Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet. Eine wichtige Zielsetzung ist die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) für nachhaltige Entwicklung. Diese sieht unter anderem die Reduktion von Lebensmittelabfällen in Haushalten und im Handel um die Hälfte und die Verringerung der Lebensmittelverluste und Abfälle in allen Bereichen bis zum Jahr 2030 vor.

Die österreichische Initiative „Lebensmittel sind kostbar!“

  • Reduktion der vermeidbaren Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
  • Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Lebensmitteln in Form von Öffentlichkeitsarbeit, Schulprojekten und Kooperationen mit Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Die Initiative soll in der Öffentlichkeit als Plattform und verbindende Marke agieren.
  • Unterstützung von Prozessen und Systemen in der Wirtschaft (Produktion, Handel, Gastronomie usw.), die zur Reduktion von Lebensmittelabfällen beitragen.
  • Unterstützung von Projekten zur Weitergabe nicht mehr benötigter Lebensmittel an Bedürftige und soziale Institutionen.
  • Unter dem Motto „Die besten Beispiele vor den Vorhang“ werden herausragende Ideen und Projekte aus allen Lebensbereichen mit dem VIKTUALIA Award ausgezeichnet.

Diese Initiative hat bereits rund 100 Kooperationspartner (Stand Juli 2019), welche laufend Maßnahmen zur Verringerung von Lebensmittelverlusten setzen. United Against Waste wurde im Jahr 2014 in Form einer branchenübergreifenden Plattform ins Leben gerufen. Gemeinsam verfolgen Unternehmen aus dem Food Service Markt sowie Bund, Länder, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ein ambitioniertes Ziel: Die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Küchenbetrieben sollen bis zum Jahr 2020 um die Hälfte reduziert werden.

Website: united-against-waste.at

Fazit: Lebensmittelabfälle gehen uns alle an! Wir alle können gemeinsam einen Beitrag leisten und ein Zeichen gegen die Verschwendung setzen. Egal ob in Landwirtschaft, Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln, verschiedenen Handelsformen, in der Außerhausverpflegung (Gastronomie, Catering, Hotels) und privaten Haushalten: Lebensmittelabfälle können vermieden werden.

Mythos 8: Lebensmittelabfälle sind nicht vermeidbar

Fakt ist: Lebensmittelabfälle können entlang der ganzen Wertschöpfungskette vermieden werden. Lebensmittel gehen entlang der ganzen Wertschöpfungskette (Landwirtschaft, Produktion, Handel bis zum Haushalt) verloren. Wir alle können bereits mit kleinen Maßnahmen Großes bewirken. Dabei müssen wir zwischen vermeidbaren und nicht vermeidbaren Lebensmittelabfällen unterscheiden. Eine große Menge dieser Lebensmittelabfälle sind potentiell vermeidbar. Es gibt aber Lebensmittelabfälle entlang der Wertschöpfungskette, die nicht vermeidbar sind, wie Knochen oder Schalen. Lebensmittelverluste treten zu Beginn der Wertschöpfungskette auf: Bei der Ernte und in der Produktion entstehen auch nicht vermeidbare Lebensmittelverluste, die jedoch andere sinnvolle Verwertungswege finden.

Fazit: Oft werden Äpfel mit Birnen verglichen. Lebensmittelabfälle sind der Überbegriff für weggeworfene verpackte oder nicht verpackte Lebensmittel, Zubereitungsreste und Speisereste. Überall entlang der Wertschöpfungskette entstehen vermeidbare Lebensmittelabfälle.

Broschüre Lebensmittelabfälle (PDF, 532 KB)