EU-Taxonomie und Sustainable Finance

Ein Ziel des Europäischen Green Deals ist es, private Investitionen für den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu mobilisieren. Im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum wurde daher der Rahmen für eine Taxonomie der Europäischen Union (EU) geschaffen, die eine europaweit einheitliche Definition von „grünen“ Investitionen festlegt.

Um die Klimaziele von Österreich bis 2040 und der Europäischen Union (EU) bis 2050 zu erreichen, müssen große Summen investiert werden. Diese Investitionen müssen nachhaltiges Wachstum und damit Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze in zukunftsfähigen Branchen schaffen.

EU-Taxonomie-Verordnung und Sustainable Finance

Welche Investitionen und welche wirtschaftliche Tätigkeiten sind grün und ökologisch nachhaltig? Welche leisten tatsächlich einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele? Diese Fragen müssen klar und transparent beantwortet werden. Im Juni 2020 wurde daher auf europäischer Ebene die Taxonomie-Verordnung beschlossen. Diese legt fest, dass nur jene Wirtschaftstätigkeiten grün sind, die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Umweltziele leisten. Gleichzeitig dürfen sie andere Umweltzieleziele nicht erheblich beeinträchtigen.

Zum Beispiel: Die Stromerzeugung aus Windkraft gilt als grün – als erneuerbare Energieform trägt sie wesentlich zum Klimaschutz bei. Gleichzeitig müssen Windparks aber geltende Regelungen, etwa beim Artenschutz einhalten.

Mit der Verordnung werden Finanzmarktakteure sowie große Unternehmen verpflichtet, taxonomierelevante Umsätze und Investitionen offenzulegen. Hier werden bestehende Berichtspflichten aus der Offenlegungs Verordnung sowie der Richtlinie für nichtfinanzielle Informationen um taxonomierelevante Informationen erweitert. Außerdem müssen Mitgliedstaaten und die EU bei Zertifizierungssystemen für grüne Finanzprodukte die Taxonomie anwenden. Dies hilft Anlegerinnen und Anlegern dabei, ein umweltfreundliches Finanzprodukt auszuwählen. Beispielsweise einen nachhaltigen Wertpapierfonds oder eine nachhaltige Versicherung. Außerdem wird so Greenwashing verhindert. Das heißt, Unternehmen können ihre Produkte nicht mehr als grün bezeichnen, wenn sie nicht die Anforderungen erfüllen.

Umweltziele Klimaschutz und Klimawandelanpassung

Am 21. April 2021 hat die Europäische Kommission die detaillierten Anforderungen für Wirtschaftstätigkeiten veröffentlicht, die zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung beitragen. Die Liste an Wirtschaftstätigkeiten deckt dabei 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen und 80 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen in der EU ab. Die Schwellenwerte für die Festlegung der ökologischen Nachhaltigkeit wurden dabei basierend auf Empfehlungen von Expertinnen und Experten der Technischen Experten Gruppe und unter Einbindung von Stakeholdern erarbeitet.

Unterschiedliche Wirtschaftssektoren aus Produktion, Energie, Forstwirtschaft, Wasser, Gebäude, Abfall, Transport oder Informationstechnologie wurden dabei mit technischen Bewertungskriterien versehen. Mit dem Beschluss der Verordnung wurde ein ständiges Beratungsgremium für die Europäische Kommission eingerichtet, die Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen. Diese Plattform ist unter anderem für die Weiterentwicklung der technischen Kriterien verantwortlich.

Für Österreich ist es ganz besonders wichtig, dass diese Kriterien wissenschaftsbasiert und glaubwürdig sind. Nur so kann sichergestellt werden, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, wo sie ihr Geld anlegen. Österreich hat dies in den vergangenen Monaten immer wieder bekräftigt. Ganz klar wurde zum Ausdruck gebracht, dass Technologien wie Kernenergie oder Energie aus fossilen Energieträgern nicht als grün einzustufen sind. Leider gibt es auch Bestrebungen anderer Mitgliedstaaten sowie privater Interessensträger, diese umweltschädlichen Technologien mit einem grünen Anstrich zu versehen.

Ausblick: So geht es mit der EU-Taxonomie weiter

Die Veröffentlichung der Kriterien ist ein erster Erfolg – und Österreich war maßgeblich daran beteiligt, dass Kernenergie und fossile Energien nicht enthalten sind. Aber die Diskussionen dazu gehen weiter: Im zweiten Halbjahr werden weitere Details festgelegt. Zum Beispiel zu Anforderungen an eine grüne Wirtschaftstätigkeit bei Biodiversität oder zur Kreislaufwirtschaft.

Zudem soll auch die politisch heikle Entscheidung getroffen werden, ob Kernenergie und fossiles Gas ökologisch nachhaltig sind. Aus österreichischer Sicht ist klar: Beide Energieformen können nicht grün sein! Das Energiesystem der Zukunft muss aus erneuerbarer Energie und Energieeffizienz gebaut sein. Das wird auch gemeinsam mit verbündeten Mitgliedstaaten mit aller Deutlichkeit eingefordert.