PACTA: Klimaverträglichkeitsprüfung österreichischer Finanzinstitute

Am Weg zum Pariser Klimaziel: Wie gut sind österreichische Finanzflüsse bereits an den Pariser Klimazielen ausgerichtet? Mit der Initiative PACTA 2020 wurde das erste Mal ein österreichweiter Klimaverträglichkeitstest durchgeführt.

Der erste österreichische Klimaverträglichkeitstest hat erhoben, wie kompatibel die heimischen Kredit- und Investment-Portfolios mit einem Dekarbonisierungspfad sind. Die Erkenntnis: Obwohl das Interesse an klimaverträglichen Maßnahmen in der österreichischen Finanzlandschaft groß ist, besteht noch viel Handlungsbedarf um das Paris-Ziel zu erreichen. Die Analyse erfolgte mit der Paris Agreement Capital Transition Assessment (PACTA) Methode der 2º Investing Initiative – ein unabhängiger und gemeinnütziger Think Tank, dessen Ziel die Entwicklung von Klima- und langfristigen Risikometriken für den Finanzsektor ist.

Das PACTA-Modell

PACTA steht für "Paris Agreement Capital Transition Assessment" und ist ein vom unabhängigen Non-Profit Think Tank „2-Degrees-Investing Initiative“ federführend entwickeltes Modell zur Klimaverträglichkeitsprüfung von Finanzportfolios. Die an PACTA teilnehmenden Finanzinstitute können verschiedene Handlungsoptionen simulieren sowie Strategien und Ziele entwickeln, um Klimarisiken in ihren Anlagestrategien zu verringern und Portfolios klimaverträglich auszurichten. So können sie sich bestmöglich auf künftige Verpflichtungen durch Regulatorien der Europäischen Union (EU) sowie Klima-Stresstests vorbereiten. Um die Entwicklung am Markt beobachten zu können, ist die Durchführung einer nationalen PACTA-Analyse seitens des Klimaschutzministeriums etwa alle drei Jahre geplant.

Dekarbonisierung der Finanzwirtschaft

Österreich gehört – gemeinsam mit der Schweiz und Liechtenstein – zu den ersten drei Ländern, die ihren Finanzmarkt einem Klimaverträglichkeitstest unterzogen haben. Insgesamt 54 österreichische Finanzinstitute aus den Bereichen Pensions- und Betriebliche Vorsorgekassen (52 Prozent), Versicherungen (68 Prozent), Kapitalanlagegesellschaften (39 Prozent) und Banken (36 Prozent) haben an der Prüfung teilgenommen. Nun erhalten sie wichtige Informationen über ihre Portfolios und können Strategien und Ziele entwickeln, um Klimarisiken zu reduzieren und die Finanzierung von Stranded Assets zu vermeiden. Stranded Assets sind Vermögenswerte, die dauerhaft von Wertverlusten bis hin zum Totalverlust gekennzeichnet sind. So besteht etwa für kohlenstoffintensive Investments, die den Pariser Klimazielen entgegenstehen, ein stark erhöhtes Risiko, zu solchen Stranded Assets zu werden.

Klimaverträglichkeitsprüfung PACTA 2020

Die Initiative PACTA 2020 zeigt, wie klimaverträglich die Investitionen österreichischer Finanzinstitute in Aktien- und Unternehmensanleihen sind. Das schafft eine Basis, um die Lücke zwischen den Zielen des Pariser Klimaübereinkommens und den von österreichischen Finanzinstituten verwalteten Finanzportfolios zu schließen. Analysiert wurden acht klimarelevante Sektoren, die für 70 bis 90 Prozent der von Kapitalmärkten finanzierten CO2-Emissionen verantwortlich sind: Öl- und Gasförderung, Kohleabbau, Elektrizität, Transportwesen (Automobil, Luftfahrt, Schifffahrt) und Industrie (Stahl, Zement). Sie sind für das Erreichen der Klimaziele besonders relevant.

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Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

Das Thema Klimaverträglichkeit ist im österreichischen Finanzsektor angekommen. Sowohl auf Unterneh-mens- wie auch auf Portfolio-Ebene wurden bereits Maßnahmen gesetzt. Gleichzeitig besteht noch viel Handlungsbedarf.

  • 59 Prozent der teilnehmenden Institute geben an, ein Klimaziel für ihr Kerngeschäft gesetzt zu haben.
  • 70 Prozent geben an, Kohleausschlusskriterien einzusetzen, gleichzeitig halten diese alle noch Anlagen in Kohlestrom oder Kohleabbau.
  • Die österreichischen Finanzinstitute investieren insgesamt zwar vergleichbar mit dem globalen Aktien- und Unternehmensanleihenmarkt, jedoch in vielen Wirtschaftssektoren nicht in Einklang mit einem 2-Grad-Celsius-Szenario, oder gar einem unter 2-Grad-Celsius-Szenario.
  • Bisher sind nur Investitionen in Elektromobilität mit einem 2°C-Dekarbonisierungsszenario verträglich.
  • Insbesondere die Finanzierung des Kohleabbaus sowie der Herstellung von Verbrennungsmotoren muss in den Portfolios deutlich reduziert werden.
  • In der Stromerzeugung besteht sowohl beim Ausbau erneuerbarer Energien als auch bei der Reduktion von Kohlestrom Handlungsbedarf.
  • Im Vergleich mit der Schweiz hat Österreich einen hohen Anteil an Investitionen in erneuerbare Energien in der Stromerzeugung.
  • Viele Finanzinstitute messen die Klimawirkung der ergriffenen Maßnahmen noch nicht ausreichend. Es müssen bessere Indikatoren für die Klimawirksamkeit von Maßnahmen entwickelt werden. Ein erster Schritt ist ein neues, von der 2-Degrees-Investing Initiative entwickeltes Modul – der Climate Action Guide – zur Planung von Klimastrategien und zur Untersuchung der Klimawirkungen. Dieses wurde den teilnehmenden Finanzinstituten im Rahmen der PACTA-Analyse zur Verfügung gestellt.
  • Eine wichtige Maßnahme zur Dekarbonisierung ist laut PACTA-Analyse auch der Dialog mit den Unternehmen, in die die Finanzinstitute investieren, das sogenannte Engagement. Dies ist ein zentraler Hebel für die klimaneutrale Umgestaltung der Wirtschaft und zielt darauf ab, die Emissionen dieser Unternehmen mit dem globalen Klimaziel in Einklang zu bringen.
  • Die als ESG (Environment, Social, Governance) gekennzeichneten und eingereichten Portfolios der teilnehmenden Finanzinstitute schneiden im Vergleich besser ab, sind aber dennoch nicht alle mit einem 2-Grad-Celsius-Zielpfad verträglich.