Zur radiologischen Situation um Tschernobyl im Ukraine-Krieg

Die Reaktoren in Tschernobyl sind seit über 20 Jahren stillgelegt. Es findet keine nukleare Kettenreaktion mehr statt und somit auch keine Kernspaltung. Es entstehen keine neuen Spaltprodukte (radioaktive Stoffe). Kurzlebige radioaktive Stoffe wie das radioaktive Iod sind vollständig verschwunden. Somit ist ein Unfallgeschehen wie im Jahr 1986 ausgeschlossen.

Mögliche Auswirkungen von Kampfhandlungen in der Sperrzone

Es befindet sich auch ein Zwischenlager am Standort, in dem abgebrannte Brennelemente gelagert werden. Würde ein solches Zwischenlager im Zuge von Kampfhandlungen beschädigt werden, kann es zur Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen. Die Auswirkungen von gesundheitlicher Bedeutung wären auf die nähere Umgebung beschränkt. 

Informationen der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde 

Die ukrainische Aufsichtsbehörde teilte am 25. Februar 2022 über die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) mit, dass alle Anlagen am Standort des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl unbeschädigt und in sicherem Zustand sind.

Aufgrund von militärischen Aktivitäten in dem Gebiet werden radioaktive Stoffe aus den oberen Bodenschichten aufgewirbelt. Dies führt vorübergehend zu erhöhten Messwerten in der Sperrzone. Die aufgewirbelten radioaktiven Stoffe stammen vom Reaktorunfall in Tschernobyl im Jahr 1986.  

Einschätzung der radiologischen Auswirkungen für Österreich

Aus Sicht des Strahlenschutzes wäre eine Freisetzung radioaktiver Stoffe am Standort Tschernobyl nur nahe des Freisetzungsortes von gesundheitlicher Bedeutung. Für Österreich besteht keine Gefahr.

Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sehr geringe Mengen der freigesetzten radioaktiven Stoffe über Luftströmungen nach Österreich gelangen und hier nachgewiesen werden könnten. Ein Nachweis ist nur mit den sensiblen Messgeräten des laborgestützten Überwachungsnetzes möglich.

Hinweis

Der Bereitschaftsdienst der Abteilung Strahlenschutz verfolgt laufend die weitere Entwicklung.