Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Unfällen in Kernkraftwerken und deren möglichen Auswirkungen auf Österreich

Die folgenden FAQs geben Informationen zur Vorbereitung auf einen radiologischen Notfall in Österreich.

Allgemeines

Ein Kernkraftwerksunfall ist ein Schadensereignis in einem Kernkraftwerk (KKW) mit möglichen Auswirkungen auf das Kraftwerkspersonal, die Bevölkerung und die Umwelt.

Ein KKW-Unfall kann durch technische Fehler oder durch Bedienungsfehler ausgelöst werden. Auch Einwirkungen von außerhalb der Anlage wie ein schweres Erdbeben können einen solchen Unfall verursachen.

Wie stark sich ein KKW-Unfall auf Bevölkerung und Umwelt auswirkt, hängt vor allem davon ab, ob und wie viel radioaktive Stoffe in die Umwelt freigesetzt werden. Bei einem katastrophalen Unfall wie im Fall von Tschernobyl oder Fukushima sind das große Mengen. In den betroffenen Gebieten sind dann umfassende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig.

Wie sehr Österreich durch einen KKW-Unfall betroffen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die entscheidenden Faktoren sind die Menge an in die Umwelt freigesetzten radioaktiven Stoffen, die Entfernung zum Kernkraftwerk und die Windrichtung. Während des Durchzugs radioaktiv kontaminierter Luftmassen kann Niederschlag mögliche Auswirkungen verstärken.

Schutzmaßnahmen können die Auswirkungen eines KKW-Unfalls stark reduzieren. Wichtig ist, dass die Schutzmaßnahmen rechtzeitig ergriffen werden.

Je nach Wetter, Art und Ort eines Kernkraftwerksunfalls könnte Österreich folgendermaßen betroffen sein:

  • Österreich ist wie bei Fukushima nicht direkt betroffen. Das Kernkraftwerk ist entweder sehr weit entfernt oder die radioaktiv kontaminierten Luftmassen ziehen aufgrund der Wetterlage nicht über Österreich. Dennoch können sich Österreicher:innen in den betroffenen Ländern bzw. Regionen aufhalten und müssen geschützt werden. Darüber hinaus könnten Schutzmaßnahmen wie Reisewarnungen für die betroffenen Regionen oder Importkontrollen von Lebens- und Futtermitteln notwendig sein.
  • In Österreich kann es zu Auswirkungen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmitteln kommen, wenn der KKW-Unfall entweder weit entfernt mit großer Freisetzung ist wie im Fall von Tschernobyl oder es sich um einen nahen, weniger schweren Unfall handelt. Schutzmaßnahmen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel könnten in Österreich notwendig sein.

Ein grenznaher, schwerer KKW-Unfall kann die größten Auswirkungen auf Österreich haben. Hier können in einzelnen Regionen in Österreich zusätzlich zu den Schutzmaßnahmen im Bereich Lebensmittel und Landwirtschaft auch Maßnahmen wie Aufenthalt in Gebäuden und Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten notwendig sein.

Für einen KKW-Unfall mit schwerwiegenden Auswirkungen in Österreich gibt es stets eine gewisse Vorwarnzeit.

Tritt eine Störung in einem Kerkraftwerk auf, gibt es verschiedene Sicherheitsvorkehrungen, um die Auswirkungen innerhalb und außerhalb der Anlage möglichst zu verhindern, einzudämmen oder zu verzögern.

Die Zeit zwischen Alarmierung der Behörden in Österreich und dem Eintreffen der radioaktiven Luftmassen in Österreich wird als Vorwarnzeit bezeichnet. In Österreich ist von einer Vorwarnzeit von mehreren Stunden bis Tagen auszugehen. Dies hängt mit der Zeit zusammen, die die Luftmassen benötigen, um die Strecke bis Österreich zurückzulegen, aber auch mit dem Unfallablauf selbst. Im Falle des Reaktorunfalls in Fukushima kam es trotz der massiven Zerstörungen durch Erdbeben und Tsunami erst nach etwa 24 Stunden zu einer größeren Freisetzung radioaktiver Stoffe.

Wichtige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung können in dieser Vorwarnzeit vorbereitet, rechtzeitig ergriffen und an die Bevölkerung kommuniziert werden (siehe dazu auch „Wozu Schutzmaßnahmen?“).

Anmerkung: Auch bei einem Kernkraftwerk des Tschernobyl-Typs sind mittlerweile entsprechende Sicherheitsvorkehrungen eingebaut, die eine sofortige Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe verhindern sollen. Solche Reaktortypen werden nur noch in gr0ßer Entfernung zu Österreich betrieben

Ja, Wasser aus der öffentlichen Versorgung oder handelsüblichen, geschlossenen Flaschen und Behältern ist sicher.

Für Trinkwasser aus Brunnen, Zisternen und Wasserspeichergefäßen kann es regionale Einschränkungen geben, wenn Brunnen nicht rechtzeitig vor Eintreffen der radioaktiven Luftmassen abgedeckt oder der Zulauf nicht rechtzeitig unterbunden wurde.

Die Behörden haben Vorkehrungen getroffen, damit die kritische Infrastruktur und wichtige Dienste auch im Fall einer Betroffenheit Österreichs durch einen KKW-Unfall weiter aufrechterhalten werden.

Auch in stark betroffenen österreichischen Regionen ist sichergestellt, dass die kritische Infrastruktur wie die Energieversorgung, die Kommunikation, die medizinische Versorgung, die Wasser- und Abwasserversorgung sowie die Information der Bevölkerung aufrechterhalten wird. Ebenso wird dafür gesorgt, dass wichtige Dienste wie Feuerwehr, Rettung und Polizei sichergestellt sind.

Gesundheitliche Aspekte

Die gesundheitlichen Auswirkungen eines KKW-Unfalls hängen von der Strahlenbelastung ab.

Werden radioaktive Stoffe freigesetzt, können sie beim Menschen zu einer erhöhten Strahlenbelastung führen. Mit der Höhe der Strahlenbelastung steigt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken.

Die durch die Behörden im Falle eines Kernkraftwerksunfalls ergriffenen Schutzmaßnahmen dienen dazu, die Strahlenbelastung zu minimieren.

Direkte gesundheitliche Auswirkungen der Strahlung, die als „Strahlenkrankheit“ bezeichnet werden und sich zum Beispiel durch Übelkeit und Organschäden zeigen, sind in Österreich nicht möglich. Sie erfordern so hohe Dosen, dass diese nur in direkter Nähe zum Unfallreaktor auftreten können.

Nein, Strahlenkrankheit nach einem KKW-Unfall ist für Österreich auszuschließen.

Selbst im Falle eines katastrophalen KKW-Unfalls im grenznahen Ausland, bei dem große Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt freigesetzt werden, kann Strahlenkrankheit nur in direkter Nähe zum betroffenen Kernkraftwerk bis zu einigen Kilometern Entfernung und daher nicht in Österreich auftreten. Das nächste Kerkraftwerk ist rund 30 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt!

Behörden, Information und Warnung der Öffentlichkeit

Die Behörden bewerten nach Alarmierung das Ereignis, legen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung fest und informieren die Bevölkerung.

Seit dem Unfall in Tschernobyl im Jahr 1986 wurden internationale Alarmierungssysteme geschaffen, die die Behörden in Österreich im Falle eines KKW-Unfalls rechtzeitig vor einer Freisetzung radioaktiver Stoffe warnen sollen. Dabei ermöglicht der Bereitschaftsdienst im BMK – auch außerhalb der Dienstzeit – eine rasche Reaktion auf die Alarmierung.

Weitere Schritte der österreichischen Behörden nach der Alarmierung:

  • Die Behörden tauschen sich mit dem Unfallstaat und internationalen Organisationen aus, um zusätzliche wichtige Informationen zu erhalten.
  • Auf Basis dieser Informationen ermitteln die Behörden mögliche Auswirkungen des Ereignisses auf die österreichische Bevölkerung.
  • Falls erforderlich, legen die Behörden Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung fest und geben Informationen zum KKW-Unfall sowie zu notwendigen Schutzmaßnahmen schnellstmöglich über den ORF (Radio und Fernsehen) an die Bevölkerung weiter.

Im Falle von Auswirkungen eines KKW-Unfalls auf Österreich wird die Bevölkerung über den ORF (Radio und Fernsehen) gewarnt und informiert.

Bei einem KKW-Unfall informieren die Behörden laufend über ORF (Radio und Fernsehen) die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen. Zusätzlich werden Informationen auch über alle anderen zur Verfügung stehenden Kanäle weitergegeben.

Sollten die Schutzmaßnahmen „Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten“ und „Aufenthalt in Gebäuden“ notwendig sein, kommen zusätzlich die Zivilschutzsirenen zum Einsatz, um der Bevölkerung den richtigen Zeitpunkt für die Umsetzung der Maßnahmen zu signalisieren.

Die Warnung erfolgt durch einen drei Minuten gleichbleibenden Dauerton. Die Bevölkerung wird damit aufgefordert, sich über den ORF (Radio und Fernsehen) zu informieren. Der eigentliche Alarm erfolgt durch einen eine Minute dauernden auf- und abschwellenden Heulton.

Bitte denken Sie an Ihre Nachbarn und geben Sie wichtige Informationen weiter!

Die Bevölkerung wird bei einem KKW-Unfall laufend über den ORF (Radio und Fernsehen) informiert. Hier werden insbesondere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung durch offizielle Verlautbarungen kommuniziert. Der ORF stellt damit die wichtigste Informationsquelle dar.

Zusätzlich wird auf allen dem BMK zur Verfügung stehenden Kanälen wie Webseiten und soziale Medien informiert.

Für telefonische Fragen aus der Bevölkerung richtet das Innenministerium im Notfall ein Call Center ein. Die Telefonnummer wird von den Behörden über die Medien bekanntgegeben.

Bei einem grenznahen KKW-Unfall mit erheblichen Auswirkungen in Österreich wird die Bevölkerung in den stark betroffenen Bezirken über das österreichische Sirenenwarnsystem alarmiert. Das ist der Fall, wenn in diesen Gebieten die Maßnahmen „Aufenthalt in Gebäuden“ oder „Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten“ notwendig sind. Durch das Sirenenwarnsystem wird der Großteil der Bevölkerung zu jeder Zeit erreicht. Zu diesem Zweck können drei Sirenensignale gegeben werden.

Mit einem drei Minuten gleichbleibenden Dauerton der Sirenen wird die Bevölkerung gewarnt und aufgerufen, sich über den ORF (Radio und Fernsehen) über die herannahende Gefahr und Schutzmaßnahmen zu informieren.

Ein eine Minute dauernder auf- und abschwellender Heulton bedeutet, dass die radioaktiven Luftmassen in Kürze über die stark betroffenen Bezirke ziehen werden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, schützende Räumlichkeiten aufzusuchen. Weitere Informationen über Schutzmaßnahmen wie die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten erhalten Sie über den ORF (Radio und Fernsehen).

Nach Abzug der radioaktiven Luftmassen wird mit einem eine Minute dauernden gleichbleibenden Dauerton Entwarnung gegeben. Die unmittelbare Gefahr ist vorbei. Weitere Informationen über Fortführung beziehungsweise Beendigung von Schutzmaßnahmen werden über den ORF (Radio und Fernsehen) kommuniziert.

Schutzmaßnahmen

Für den Fall, dass Österreich von einem KKW-Unfall betroffen ist, können geeignete Schutzmaßnahmen die Strahlenbelastung der Bevölkerung deutlich reduzieren.

Durch die Schutzmaßnahmen wird die Wahrscheinlichkeit langfristiger gesundheitlicher Auswirkungen wie strahlenbedingte Krebserkrankungen die erst nach Jahren eintreten können, deutlich reduziert.

Schutzmaßnahmen sind so ausgelegt, dass im Zweifelsfall eher mehr als weniger Maßnahmen ergriffen werden, um einen umfangreichen Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Zu solchen Schutzmaßnahmen gehören z. B. das Aufsuchen und Verbleiben in geschlossenen Gebäuden für eine kurze Zeit, die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten zum Schutz vor Schilddrüsenkrebs oder Beschränkungen der Nutzung und des Verkaufs landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die möglichweise radioaktiv belastet sind. Evakuierungen sind in Österreich aufgrund der Entfernung der umgebenden Kernkraftwerke nicht zu erwarten.

Kinder und Jugendliche reagieren empfindlicher als Erwachsene auf Strahlung. Daher werden Kinder und Jugendliche in Österreich besonders geschützt. Um die ungeborenen Kinder zu schützen, unterliegen auch Schwangere einem besonderen Schutz. Die Behörden setzen Schutzmaßnahmen für diese Personengruppen bereits bei geringerer Strahlenbelastung als für den Rest der Bevölkerung.

Welche Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind, wird von den Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) verlautbart.

Grundlage für den persönlichen Schutz ist es, sich stets über die von den Behörden festgelegten Schutzmaßnahmen über den ORF (Fernsehen und Radio) informiert zu halten.

Jede Person kann zusätzlich zu den von den Behörden verlautbarten Schutzmaßnahmen folgende Verhaltensregeln nach Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen befolgen:

  • Aufenthalt im Freien während des Durchzugs der radioaktiv kontaminierten Luftmassen vermeiden bzw. kurzhalten
  • Bei notwendigem Aufenthalt im Freien leicht zu reinigende Kleidung (z. B. Regenmantel) tragen, um die Haut vor Kontamination mit radioaktiven Stoffen zu schützen
  • Einfache Hygienemaßnahmen wie Duschen und Haare waschen nach einem Aufenthalt im Freien
  • Kleidungsstücke und Schuhe, die im Freien getragen wurden, vor Betreten des Wohnbereichs wechseln. Die Kleidungsstücke können in der Waschmaschine gereinigt werden.
  • Haustiere nach einem Aufenthalt im Freien reinigen
  • In den betroffenen Gebieten auf den Konsum von Freilandgemüse und frischem Obst aus dem Garten bzw. Beeren und Pilzen aus dem Wald zunächst verzichten. Die Behörden werden im weiteren Verlauf Empfehlungen für den Umgang mit diesen Lebensmitteln bekannt geben.
  • Saugen und Reinigen der Wohnung nach Abzug der radioaktiven Luftmassen

Die Auswirkungen eines KKW-Unfalls auf Österreich können regional sehr unterschiedlich sein. Neben der Entfernung zum Unfallort und der Menge freigesetzter radioaktiver Stoffe spielen Windrichtung und Niederschlag eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund können auch die von den Behörden verkündeten Schutzmaßnahmen regional sehr unterschiedlich sein.

Kinder und Jugendliche reagieren empfindlicher als Erwachsene auf Strahlung. Daher werden Kinder und Jugendliche in Österreich besonders geschützt. Um die ungeborenen Kinder zu schützen, unterliegen auch Schwangere einem besonderen Schutz. Behörden veranlassen Schutzmaßnahmen für diese Personengruppe bereits bei niedrigerer Strahlenbelastung als für den Rest der Bevölkerung.

Bei schweren Unfällen in KKWs können große Mengen an radioaktivem Iod freigesetzt werden. Gelangt radioaktives Iod durch Einatmen in den Körper, wird es von der Schilddrüse aufgenommen und dort gespeichert. Dadurch kann es in der Schilddrüse zu einer hohen Strahlenbelastung und vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu einem erhöhten Schilddrüsenkrebs-Risiko kommen.

Dagegen bieten Kaliumiodid-Tabletten – wenn sie zum empfohlenen Zeitpunkt eingenommen werden –  einen sehr wirkungsvollen Schutz. Das nicht-radioaktive Iod dieser Tabletten führt zu einer vorübergehenden Sättigung der Schilddrüse. Dadurch wird die Ansammlung von radioaktivem Iod in der Schilddrüse verhindert.

Damit dies optimal gelingt, ist der richtige Zeitpunkt für die Einnahme der Tabletten entscheidend. Über den ORF (Radio und Fernsehen) werden die Behörden rechtzeitig bekannt geben, in welchen Gebieten für welche Personengruppen eine Kaliumiodid-Einnahme nötig ist und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Kaliumiodid-Tabletten bieten keinen Schutz vor der Aufnahme anderer radioaktiver Stoffe in den Körper oder gegen die externe Strahlung von radioaktiven Stoffen in der Luft und am Boden.

Kaliumiodid-Tabletten sind in der Apotheke erhältlich.

Für Kinder, Jugendliche und Schwangere sollten die Tabletten bereits vorsorglich bezogen werden. Für diese Personengruppen sind die Tabletten kostenlos erhältlich. Für Personen von 18 bis 40 Jahren können Kaliumiodid-Tabletten zu einem geringen Preis gekauft werden.

Personen über 40 Jahre sollten Kaliumiodid-Tabletten nicht mehr einnehmen, da ihr Risiko, an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken, sehr gering, das Risiko von Nebenwirkungen durch die Einnahme von Iod aber vergleichsweise hoch ist.

In Schulen, Kindergärten und Betreuungseinrichtungen sind Kaliumiodid-Tabletten für die Kinder und Jugendlichen vorhanden, damit bei Durchzug von radioaktiven Luftmassen während der Betreuungs- bzw. Schulzeit die Tabletten rechtzeitig eingenommen werden können.

Wichtig: Der richtige Zeitpunkt der Einnahme und die betroffenen Gebiete werden von den Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) mitgeteilt!

Die Gebiete, in denen die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten nötig ist, die Bevölkerungsgruppen, die die Tabletten einnehmen sollen und der richtige Zeitpunkt der Einnahme, werden von den Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) mitgeteilt.

Die Wirksamkeit der Kaliumiodid-Tabletten ist am größten, wenn die Einnahme wenige Stunden vor Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen erfolgt. Eine zu frühe Einnahme oder eine Einnahme nach Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen verringert die Wirksamkeit stark. Die Behörden verfolgen die Lage ständig. Abhängig vom Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen geben sie den richtigen Zeitpunkt der Einnahme bekannt.

Sollte die Schutzmaßnahme „Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten“ notwendig sein, kommt in den davon betroffenen Gebieten das Sirenenwarnsystem zum Einsatz.

Die Warnung erfolgt durch einen drei Minuten gleichbleibenden Dauerton. Die Bevölkerung ist damit aufgefordert, sich über den ORF (Radio und Fernsehen) zu informieren, in welchen Gebieten Kaliumiodid-Tabletten besorgt und deren Einnahme vorbereitet werden soll.

Über den späteren Alarm, einen eine Minute dauernden auf- und abschwellenden Heulton wird die Bevölkerung aufgerufen im Gebäude zu bleiben bzw. umgehend Gebäude aufzusuchen und die Kaliumiodid-Tabletten einzunehmen.

Die Schutzmaßnahme „Aufenthalt in Gebäuden“ dient dazu, die Belastung durch radioaktive Stoffe in den betroffenen Gebieten zu minimieren.

Konkret bedeutet dies, im Gebäude zu bleiben bzw. umgehend Gebäude aufzusuchen, Fenster und Türen zu schließen und die Belüftung bzw. Klimaanlage soweit möglich abzuschalten.

Bei einem grenznahen KKW-Unfall mit erheblichen Auswirkungen in Österreich schützt die Maßnahme „Aufenthalt in Gebäuden“ vor den durchziehenden radioaktiven Luftmassen und den abgelagerten radioaktiven Stoffen. Die Strahlenbelastung kann durch diese Maßnahme deutlich reduziert werden.

Der Aufenthalt in Gebäuden wird in Österreich bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren schon bei einer niedrigeren Strahlenbelastung als bei Erwachsenen empfohlen.

Jeder Aufenthalt im Freien sollte vermieden werden.

Der richtige Zeitpunkt, Fenster und Türen zu schließen sowie Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten, ist vor dem Eintreffen der radioaktiven Luftmassen.

In allen Gebäuden in den betroffenen Gebieten sollen vor Eintreffen der radioaktiven Luftmassen Türen und Fenster geschlossen werden. Wenn möglich, sollen auch Lüftungs- sowie Klimaanlagen abgeschaltet oder ihre Leistung so weit wie möglich reduziert werden.

Die Behörden verfolgen die Lage ständig. Abhängig vom Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen geben sie die in Österreich betroffenen Gebiete und den richtigen Zeitpunkt zur Durchführung der Maßnahme über den ORF (Radio und Fernsehen) bekannt.

Zumindest bis nach dem Durchzug der radioaktiven Luftmassen. Das kann einige Stunden bis wenige Tage sein.

Der Zeitpunkt der Aufhebung wird von den Behörden über das Sirenenwarnsystem mit dem Zivilschutzsignal „Entwarnung“ und über eine anschließende ORF-Durchsage (Radio und Fernsehen) bekannt gegeben. 

Das Zivilschutzsignal „Entwarnung“ ist ein gleichbleibender Dauerton von einer Minute und bedeutet das Ende der Gefahr.

Das hängt von den Umständen ab. Die genauen Anweisungen werden von den Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) bekannt gegeben.

Schwangere und Stillende sowie Säuglinge unter einem Monat sollen Kaliumiodid-Tabletten nur einmal, allerdings in unterschiedlichen Dosen einnehmen. Für alle anderen Bevölkerungsgruppen muss von den Behörden abgeschätzt werden, ob die Einnahme über mehrere Tage sinnvoll ist. Das wird entsprechend mitgeteilt.

Kaliumiodid-Tabletten sollen nur nach Anweisung der Behörden zum bekannt gegebenen Zeitpunkt und für die bekannt gegebene Dauer eingenommen werden.

Die Dosierung der Kaliumiodid-Tabletten für verschiedene Alters- bzw. Personengruppen ist dem Beipackzettel zu entnehmen: 

  • unter 1 Monat: ¼ Tablette einmalig
  • 1 Monat bis 3 Jahre: ½ Tablette täglich
    (Die Behörden geben bekannt, wie lange die Tabletten einzunehmen sind.)
  • Jahre bis 12 Jahre: 1 Tablette täglich 
    (Die Behörden geben bekannt, wie lange die Tabletten einzunehmen sind.)
  • über 12 Jahre und Erwachsene: 2 Tabletten täglich
    (Die Behörden geben bekannt, wie lange die Tabletten einzunehmen sind.)
  • Schwangere und Stillende: 2 Tabletten einmalig

Nein, Evakuierungen in Österreich sind selbst bei Unfällen in einem grenznahen KKW mit katastrophalen Auswirkungen auf Österreich nicht notwendig.

Evakuierung ist die geplante, vorübergehende und rasche Räumung von Gebieten, in denen eine sehr hohe Strahlenbelastung erwartet wird. Diese Maßnahme wird selbst bei KKW-Unfällen mit katastrophalen Auswirkungen nur in der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerkes, in den sogenannten Notfallplanungszonen, durchgeführt. Die Maßnahme muss vor dem Eintreffen der radioaktiv kontaminierten Luftmassen durchgeführt und abgeschlossen werden. Eine Evakuierung während des Durchzugs der radioaktiv kontaminierten Luftmassen führt zu einer weit höheren Dosis als der Aufenthalt in Gebäuden.

Die Schutzmaßnahmen „Aufenthalt in Gebäuden“ und „Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten“ bieten selbst in den am stärksten betroffenen Regionen in Österreich ausreichenden Schutz.

Im Falle eines schweren grenznahen KKW-Unfalls mit erheblichen Auswirkungen auf Österreich wird die Bevölkerung durch das österreichweite Sirenenwarnsystem gewarnt. Anschließend informieren die Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) über Schutzmaßnahmen.

Erfolgt die Sirenenwarnung, sollen Kinder und Jugendliche nicht in den Kindergarten, die Schule oder eine andere Betreuungseinrichtung gehen.

  • Kinder unter 14 Jahren brauchen eine Betreuungsperson. Diese Betreuungsperson hat das Fernbleiben vom Arbeitsplatz ihrem Arbeitgeber bekannt zu geben.
  • Ein Notbetrieb in der Schule wird sicherheitshalber eingerichtet.

Nein.

Wenn ein schwerer KKW-Unfall mit erheblichen Auswirkungen auf Österreich während der Schul- oder Kindergartenzeit eintritt, ist es sehr wahrscheinlich, dass selbst bei einem grenznahen Unfall genügend Zeit bis zum Eintreffen radioaktiver Luftmassen besteht. Die Kinder und Jugendlichen werden nach dem regulären Unterrichts- oder Kindergartenschluss entlassen. Sie können normal abgeholt werden oder ihren Heimweg selbst antreten. Zusätzlich wird nach der Entlassung der Kinder und Jugendlichen ein Notbetrieb in diesen Einrichtungen aufrechterhalten.

Zu Hause sind entsprechend der Verlautbarung der Behörden über den ORF (Radio und Fernsehen) Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass zu wenig Zeit bleibt, um vor Eintreffen radioaktiv kontaminierter Luftmassen sicher nach Hause zu kommen, sollen Kinder und Jugendliche in den Kindergärten, Schulen oder anderen Betreuungseinrichtungen verbleiben. Sie sollen dann nicht abgeholt werden, um sie nicht einer Strahlenbelastung durch die radioaktiv kontaminierten Luftmassen auszusetzen. Falls notwendig, erhalten die Kinder und Jugendlichen eine Tagesdosis Kaliumiodid-Tabletten. Für die Betreuung ist gesorgt.

Kinder sind in der Schule, im Kindergarten oder anderen Betreuungseinrichtungen sicher.

Sollte nicht genügend Zeit für den sicheren Heimweg bis zum möglichen Eintreffen radioaktiver Luftmassen bestehen, sind Kindergärten, Schulen oder andere Betreuungseinrichtungen der sicherste Ort. Kinder und Jugendliche befinden sich bereits in schützenden Gebäuden und erhalten dort, falls notwendig, eine Tagesdosis Kaliumiodid-Tabletten. Voraussetzung für die Ausgabe der Kaliumiodid-Tabletten an Ihr Kind ist eine im Voraus unterschriebene Einverständniserklärung, die in der Schule beziehungsweise im Kindergarten oder anderen Betreuungseinrichtungen aufliegt!

Haustiere sollen vor Eintreffen radioaktiver Luftmassen soweit möglich ins Haus gebracht werden. Das Verschleppen von radioaktiven Stoffen in den Wohnbereich soll damit verhindert werden.

Muss das Tier ins Freie, dann ist der Aufenthalt dort so kurz wie möglich zu halten. Wiesen und Wälder sollten gemieden werden. Haustiere sind daher am besten an der Leine zu führen und vor Betreten der Wohnräume zu reinigen

Privat gehaltene Nutztiere wie Hühner sollen in ihre Stallungen gebracht werden.

Sicher sind abgepackte Lebensmittel. Frische Lebensmittel aus betroffenen Gebieten sind sicher, wenn sie vor dem Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen geerntet und nicht im Freien gelagert wurden. Lebensmittel aus nicht betroffenen Gebieten sind auf jeden Fall sicher.

Nach dem Eintreffen radioaktiv kontaminierter Luftmassen soll in den betroffenen Gebieten auf den Verzehr von frisch geerntetem, selbst erzeugtem Freilandgemüse und Obst sowie von selbst gesammelten Waldbeeren und Pilzen verzichtet werden. Die abgelagerten radioaktiven Stoffe führen in den betroffenen Gebieten zu einer Kontamination der dort wachsenden Pflanzen und Pilze. Blattgemüse und Obst sind davon besonders betroffen. Die Verfütterung kontaminierter Futtermittel an Nutztiere führt zu einer Kontamination von Milch und Fleisch.

Nach einem KKW-Unfall mit Auswirkungen auf Österreich werden regelmäßig Kontrollen zur Überwachung von Lebensmitteln und Futtermitteln durchgeführt. Die Kontrollen garantieren, dass keine kontaminierten Lebensmittel in Verkehr gebracht und konsumiert werden.

Zusätzlich werden auch Importe von Lebens- und Futtermitteln aus anderen betroffenen Staaten kontrolliert.

In den betroffenen Regionen soll kein Regenwasser gesammelt und gespeichert werden.

Vor Eintreffen der radioaktiven Luftmassen sollen daher Wasserspeicher wie Zisternen, Regentonnen oder Brunnen abgedeckt sowie der Zulauf von Regenwasser unterbunden werden. Kontaminiertes Wasser soll nicht als Trinkwasser, zur Viehtränke oder zur Bewässerung verwendet werden. Gesammeltes kontaminiertes Regenwasser soll am besten in die Kanalisation oder in Fließgewässern entsorgt werden.

Maßnahmen in der Landwirtschaft schützen Lebensmittel vor einer Kontamination mit radioaktiven Stoffen.

Die Erfahrung mit dem Unfall in Tschernobyl zeigt, dass eine Langzeit-Strahlenbelastung der Bevölkerung über kontaminierte Lebensmittel erfolgt. Landwirtschaftliche Schutzmaßnahmen, die vor Eintreffen der radioaktiven Luftmassen durchgeführt werden, reduzieren die Kontamination von Lebensmitteln wie Milch und Fleisch entscheidend. Zum Beispiel sollen Nutztiere in den Stall gebracht und dort mit nicht kontaminiertem Futter versorgt werden. Das Schließen von Gewächshäusern schützt die Kulturpflanzen vor einer Kontamination.

Gewächshäuser sollen rechtzeitig vor Eintreffen der radioaktiven Luftmassen soweit wie möglich geschlossen werden.

Dadurch wird das Eindringen von radioaktivem Regenwasser in das Gewächshaus und somit die Kontamination der Kulturpflanzen verhindert.

Achtung: Das (luftdichte) Verschließen von Gewächshäusern kann zu einer Überhitzung bis hin zum Verlust der Ernte führen.

Gleichzeitig mit dem Schließen der Gewächshäuser soll das Speichern von Regenwasser während des Durchzugs der radioaktiven Luftmassen verhindert werden. Kontaminiertes Wasser soll nicht zur Bewässerung der Pflanzen verwendet werden.

Während des Durchzugs radioaktiv kontaminierter Luftmassen lagern sich radioaktive Stoffe in der Umwelt ab und kontaminieren Grünland und Futterpflanzen. Nutztiere können über kontaminiertes Futter radioaktive Stoffe aufnehmen. Dies führt in der Folge zu einer Kontamination von Milch und Fleisch.

Um die Kontamination von Milch und Fleisch zu vermeiden, sind Nutztiere in den Stall zu bringen und mit nicht-kontaminiertem Futter zu versorgen. Stallungen und Vorplatzausläufe sind zu schließen; Offenfrontstallungen sind abzudecken. Beim Schließen von Stallungen ist zu beachten, dass es zu keiner vermehrten Schadgasansammlung oder einem schädlichen Temperaturanstieg kommt. Weitere Maßnahmen wie ein Weideverbot werden von den Behörden später kommuniziert.

Die Anweisungen und Empfehlungen der lokalen Behörden sollen befolgt werden.

Jeder Staat hat für Unfälle in Kernkraftwerken Notfallpläne ausgearbeitet und Schutzmaßnahmen vorbereitet. Die lokalen Behörden haben die besten Informationen zum KKW-Unfall und dessen Auswirkungen und treffen entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.

Zusätzlich dazu können Informationen über die österreichischen Botschaften oder Konsulate sowie die Internetseite des österreichischen Außenministeriums (www.bmeia.gv.at) erfragt und abgerufen werden. Bei Ereignissen mit weitreichenderen Folgen wird im Innenministerium ein Call Center für telefonische Auskünfte eingerichtet.

In Notfällen ist das österreichische Außenministerium unter folgender Nummer rund um die Uhr telefonisch erreichbar: +43 1 90115-4411

Siehe auch: Wie verhalte ich mich bei geplanten Reisen in das Unfallland oder ein stark betroffenes Land?

Vor jeder Reise sollte auf der Internetseite des österreichischen Außenministeriums (→ bmeia.gv.at) geprüft werden, ob für das Reiseziel eine Reisewarnung besteht.

Das Außenministerium spricht in der Regel Reisewarnungen nur in besonderen Krisensituationen aus (z. B. kriegs- oder bürgerkriegsähnliche Situation in einem Land), wenn eine generelle Gefährdung für Leib und Leben besteht. Eine partielle Reisewarnung wird nur für eine bestimmte Region ausgesprochen und gilt nicht für das ganze Land.

Eine Reiseregistrierung beim Außenministerium vor Antritt der Reise bietet im Krisenfall zusätzliche Sicherheit (→ bmeia.gv.at).

In Notfällen ist das Außenministerium unter folgender Nummer rund um die Uhr telefonisch erreichbar: +43 1 90115-4411

Im Falle einer Reisewarnung für die gebuchte Reise sollte mit dem Reiseveranstalter, Buchungsanbieter oder Reisebüro Kontakt aufgenommen werden.

Sobald Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht mehr notwendig sind, werden sie aufgehoben.

So wird nach dem Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen die Schutzmaßnahme „Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten“ durch die Behörden aufgehoben. Die erneute Einnahme ist nicht notwendig, da kein radioaktives Iod mehr in der Luft vorhanden ist.

Eine übertriebene oder zu lange Anwendung von Schutzmaßnahmen wie die zu lange Einnahme von Kaliumiodid- Tabletten kann mehr schaden als nützten.

Auch die Maßnahme „Aufenthalt in Gebäuden“ ist nach dem Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen nicht mehr notwendig und wird daher beendet.

Die Aufhebung einer Schutzmaßnahme wird über den ORF (Radio und Fernsehen) kommuniziert.

Nach dem Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen wird mit einem eine Minute dauernden gleichbleibenden Dauerton des Sirenenwarnsystems entwarnt. Weitere Informationen über Fortführung oder Beendigung von Schutzmaßnahmen werden über den ORF (Radio und Fernsehen) kommuniziert.

Wichtige Informationen sollen auch an die Nachbarn weitergegeben werden.

Kinderspielplätze, auch im privaten Bereich, können durch einfache Maßnahmen gereinigt werden.

Spielgeräte sollen mit Wasser abgespritzt werden; danach soll der Sand, Kies oder Rindenmulch ausgetauscht und entsprechend den Empfehlungen der Behörden entsorgt werden.

Spätere Schutzmaßnahmen werden nach Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen gesetzt. Ziel ist es, die längerfristige Strahlenbelastung möglichst zu reduzieren.

Spätere Schutzmaßnahmen sind z. B. das Reinigen von Gebäuden, Straßen und Plätzen oder das Reinigen von Kinderspielplätzen. Dies wird in der Fachsprache auch als „Dekontamination“ bezeichnet.

Besonders wichtige spätere Schutzmaßnahmen sind die, die sicherstellen, dass nur nicht-kontaminierte Lebensmittel konsumiert werden. Dazu zählt das Verbot von kontaminierten Lebensmitteln im Handel.