FAQ  Fragen und Antworten zur Green Finance Alliance

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Sie haben Großes vor und wollen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten? Selbstverständlich tauchen dabei immer wieder Fragen auf, auf die Sie Antworten benötigen.

Hier finden Sie die Top-5 Fragen und Antworten zur  Green Finance Alliance, die wir in den letzten Monaten gesammelt haben.

Es gibt ein jährliches Monitoring, bei dem die Erfüllung der Kriterien von der Koordinierungsstelle überprüft wird. Wenn Sie bestimmte Kriterien nicht vollständig erfüllen können, dann sind die dafür ausschlaggebenden Gründe im jährlichen Reporting anzuführen („Comply or Explain“). Die Konsequenz für punktuelle Abweichungen können entsprechende Nachbesserungsaufträge sein, die ausschließlich an Sie kommuniziert werden. Innerhalb einer festgesetzten Frist können Sie daher die Vorgabe nachholen. 

Das jährliche Reporting & Monitoring ist für die Mitglieder im Normalfall mit einem sehr überschaubaren zeitlichen Aufwand verbunden. Sie erhalten am Jahresanfang jeweils einen sehr einfach gehaltenen Fragebogen und haben einen Monat Zeit, um ihn auszufüllen. Anschließend evaluiert die Koordinierungsstelle (Umweltbundesamt) Ihre Angaben und erstellt ein Evaluierungsergebnis. Dieses dient dann dem Lenkungsgremium als Entscheidungsgrundlage. Solange das Gesamtbild der Evaluierung positiv ist, wird das Lenkungsgremium grünes Licht geben. Möglicherweise gibt es einzelne Nachbesserungsaufträge. Nur im Extremfall eines negativen Gesamtbilds kommt es zu einer negativen Entscheidung, deren Folgen zum Beispiel die temporäre Aussetzung der Mitgliedschaft oder ein Ausschluss sein können. 

In der Green Finance Alliance ist die Transitionsbegleitung von Unternehmen im Erdgasbereich von großer Bedeutung und gegenüber Divestments zu bevorzugen. Die Mitglieder der Green Finance Alliance sind dazu aufgefordert, mit den betroffenen Kunden in Kontakt zu treten und durch Engagement einen Dekarbonisierungspfad ihres Geschäftsmodells entsprechend den Pariser Klimazielen anzuregen. 

Ab Ende 2025 dürfen Mitglieder der Green Finance Alliance keine neuen Geschäftsaktivitäten (Neugeschäft) mehr eingehen, die auf den Ausbau der Erdgasinfrastruktur abzielen. Mit anderen Worten: Mitglieder der Green Finance Alliance haben noch rund drei Jahre Zeit, um mit ihren Geschäftskunden in einen aktiven Dialog zu treten und diese Transition gemeinsam vorzubereiten. Jene Unternehmen, die ernsthaft eine Transition anstreben und daher keinen Ausbau der Erdgasinfrastruktur mehr vornehmen, können auch nach diesen drei Jahren weiterhin vom Mitglied der Green Finance Alliance durch neue Finanzierungen, Investitionen und Versicherungen begleitet werden. Neugeschäft in der bestehenden Erdgas-Infrastruktur (z. B. Wartung, Carbon Capturing) ist daher auch nach drei Jahren mit diesen Kunden weiterhin erlaubt.

Grundsätzlich wird der Mitgliedschaftsvertrag zwischen dem BMK und dem Finanzunternehmen mit einer Laufzeit bis 2030 abgeschlossen. Die Vertragsdauer kann zweimal um jeweils zehn Jahre verlängert werden. Beiden Vertragsparteien steht jedoch das Recht auf eine ordentliche Kündigung des Mitgliedschaftsvertrags und somit der vorzeitige Ausstieg zu.

Ein großer Mehrwert der Mitgliedschaft in der Green Finance Alliance sind die zahlreichen Austauschformate. Wir bieten Workshops, Webinare und bilaterale Gespräche an, die exklusiv für die Mitglieder organisiert werden. Die Green Finance Alliance unterstützt mit diesen maßgeschneiderten Formaten ihre Mitglieder auch beim Aufbau von fachlichen Kapazitäten und Know-how. Für Ad-hoc-Fragen stehen Green-Finance-Expert:innen über den Helpdesk im Umweltbundesamt zur Verfügung. Wertvollen Input und Unterstützung bekommt die Green Finance Alliance auch über den hochkarätigen Beirat aus nationalen und internationalen Green-Finance-Expert:innen.

Weitere Fragen und Antworten zur Green Finance Alliance

Die Green Finance Alliance ist eine Initiative des Klimaschutzministeriums (BMK) im Rahmen der Green Finance Agenda. Ihr Ziel ist es, eine breite Allianz für den Klimaschutz in der österreichischen Finanzindustrie zu etablieren. Die Klimaperformance der Mitglieder wird anhand eines konkreten, verpflichtenden Kriterienkatalogs jährlich überwacht und im Rahmen eines aggregierten Fortschrittsberichts veröffentlicht.

Zu den ersten Mitgliedern der Green Finance Alliance gehören neun ambitionierte Unternehmen aus dem österreichischen Finanzsektor. Sie verpflichten sich freiwillig dazu, ihr Kerngeschäft schrittweise klimaneutral zu gestalten und sich damit am Pariser Klimaziel (1,5-Grad-Ziel) auszurichten. Sie nehmen eine Vorreiterrolle für den Klimaschutz ein und zeigen die Vereinbarkeit von Klimaschutz und ökologisch nachhaltigem Wirtschaften. Umfangreiche Informationen finden Sie im Handbuch zur Green Finance Alliance

Eine zukunftsfähige Finanzwirtschaft erfordert neue Perspektiven und Methoden, in denen Klimaaspekte berücksichtigt werden. Klimaziele sowie konkrete Maßnahmen müssen in bestehende und neue Prozesse integriert werden. Die Green Finance Alliance definiert daher fünf Zieldimensionen für das Kerngeschäft der Mitglieder:

  • Die Portfolios werden am 1,5-Grad-Ziel des Pariser Übereinkommens ausgerichtet.
  • Die über die Portfolios verantworteten Treibhausgas-Emissionen werden kontinuierlich reduziert. Bis 2050 sind die Portfolios Treibhausgas-neutral.
  • Grüne Aktivitäten im Kerngeschäft werden ausgeweitet. Das fördert einen positiven Impact und macht es möglich, notwendiges Kapital für die Finanzierung der Klimaziele zu mobilisieren. 
  • Klimarisiken werden gemanagt und Resilienz gegenüber künftigen klimatischen und klimainduzierten Veränderungen gefördert.
  • In allen relevanten Unternehmensbereichen wird Klima-Governance und Mainstreaming forciert.

Gemeinsam mit anderen Playern kann so der Finanzmarkt schneller in Richtung Nachhaltigkeit umgestaltet und die verwalteten Gelder in eine zukunftsfähige Richtung gelenkt werden. 

Die Mitgliedschaft in der Green Finance Alliance bietet die Chance, Vorreiter zu sein. Die Green Finance Alliance soll zu einem Aushängeschild für klimaverantwortliches Handeln für die Branche werden und möglichst viele Mitglieder gewinnen.

Die Mitglieder der Green Finance Alliance bekommen auf ihrem Weg zur Klimaneutralität Unterstützung durch das Klimaschutzministerium, das Umweltbundesamt und weitere Expertinnen und Experten. Sie werden als Teil einer starken Gruppe von Finanzunternehmen sichtbar, die bewusst Verantwortung übernehmen. 

Das Programm wurde 2021 ausgearbeitet – ein wichtiger Teil der Vorbereitungen war der Austausch mit Finanzunternehmen und Expertinnen und Experten. Im September 2021 startete die Ausschreibung zur Mitgliedschaft, die bis Ende Jänner 2022 dauerte. Der Launch der Initiative und damit die Bekanntgabe der Namen der ersten Mitglieder der Green Finance Alliance fand am 9. Mai 2022 in Wien statt.

Der Kriterienkatalog umfasst Maßnahmen, die das Kerngeschäft der Unternehmen betreffen. Im Fokus stehen die Ausrichtung am 1,5-Grad-Ziel und damit die kontinuierliche Reduktion der Treibhausgas-Emissionen (Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas). 

Zum Einsatz kommen wissenschaftsbasierte, verbindliche Kriterien für das Kredit-, Investment- und Versicherungsgeschäft der Unternehmen, deren Erfüllung durch ein jährliches Monitoring überprüft wird. Der Kriterienkatalog umfasst in erster Linie Vorgaben für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern, den Ausbau grüner Geschäftsaktivitäten sowie für eine transparente jährliche Klimaberichterstattung.

Weitere Kriterien zielen auf die Betriebsökologie ab, also das klimafreundliche Verhalten der Unternehmen selbst. Themen sind hier zum Beispiel die Reise-Policy, die Beschaffung, der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energieträgern oder die Einführung eines betrieblichen Umweltmanagementsystems (EMAS).

Die Portfolio-Ausrichtung am 1,5-Grad-Ziel des Pariser Übereinkommens muss bis spätestens 2040 erreicht sein. Nur so kann das Klimaziel der EU – die Klimaneutralität 2050 – erreicht werden.

Aufgrund der internationalen Ausrichtung vieler österreichischer Finanzunternehmen mit Schwerpunkt in Zentral- und Osteuropa sowie der internationalen Zusammensetzung der Portfolios, wird auf das langfristige EU-Ziel der Klimaneutralität 2050 anstatt auf das österreichische Ziel der Klimaneutralität 2040 referenziert. Jedoch ist aufgrund der Dringlichkeit der Klimakrise eine frühere Zielerreichung sehr zu begrüßen.

Die Portfolio-Ausrichtung am 1,5-Grad-Ziel des Pariser Übereinkommens muss bis spätestens 2040 erfolgen, um Klimaneutralität 2050 zu erreichen. Dafür ist es notwendig alle Geschäftskundinnen und Geschäftskunden aktiv zu begleiten damit bis 2040 deren Geschäftsaktivitäten entsprechend dem Pariser Klimaziel ausgerichtet sind.

Diese Maßnahme sieht vor, dass das analysierbare Portfolio am 1,5-Grad-Ziel gemäß Übereinkommen von Paris ausgerichtet ist. Eine Erreichung dieses Ziels kann dadurch gelingen, dass jene Unternehmen und Projekte, die finanziert oder versichert werden oder in die investiert wird, ihre eigenen Treibhausgasemissionen im Einklang mit einem 1,5-Grad-kompatiblen Zielpfad reduzieren.

Das Finanzunternehmen kann den Prozess durch gezielte Engagement-Aktivitäten unterstützen. Das bedeutet, den Unternehmen die klimabezogenen, strategischen Erwartungen näherzubringen, mit ihnen Transformationschancen zu erarbeiten und sie auf diesem Weg zu begleiten. Eine weitere Maßnahme ist Divestment, also der Ausstieg aus der Finanzierung klimaschädlicher Aktivitäten. Ganz klar ist aber, dass jene Unternehmen aus dem fossilen Bereich, die ernsthaft Klimaschutz betreiben und daher ihre Geschäftsmodelle umstellen, auch weiterhin Zugang zu Kapital haben sollten und durch die Finanzunternehmen begleitet werden sollen.

Für die Messung der 1,5-Grad-Ausrichtung sieht die Green Finance Alliance vor, die Methoden von → Paris Agreement Capital Transition Assessment (PACTA) oder → Science Based Targets initiative (SBTi) zu verwenden. Bei Einsatz von PACTA muss eine kontinuierliche Verbesserung hin zum Klimaszenario erreicht werden. PACTA stellt je nach Sektor die Produktionspläne der nächsten fünf Jahre oder die aktuelle Emissionsintensität (beispielsweise für die Stahl- oder Zementindustrie) dar und vergleicht diese mit den entsprechenden Klimaszenarien. Bei Einsatz von SBTi sind die entsprechenden Pfade gemäß der Financial Sector Science-Based Targets Guidance zu erfüllen.

Das ist sehr unterschiedlich und ist von Unternehmen zu Unternehmen anders: Für einige sind das die Ausstiegskriterien aus fossilen Energieträgern, für andere wiederum die geforderten Offenlegungen oder auch die Implementierung eines betrieblichen Umweltmanagementsystems (EMAS).

Der größte Nutzen ist einen wirklichen Beitrag zum Klimaschutz und für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder zu leisten. Die Mitglieder haben die Chance sich als glaubhafte, grüne Vorreiter gegenüber ihren Kundinnen und Kunden und der Gesellschaft zu positionieren. Gleichzeitig erhalten Sie durch die Mitgliedschaft Unterstützung und Orientierung, welche Schritte für diese Transformation nötig sind.

Langfristig wird dies der Fall sein. Doch die bereits heute spürbaren Folgen der Klimakrise lassen keinen zeitlichen Spielraum, um diese Entwicklung abwarten zu können. Dies ist einer der Gründe, weshalb auf europäischer Ebene zahlreiche regulatorische Initiativen lanciert wurden (beispielsweise die EU-Taxonomie-Verordnung oder die Offenlegungsverordnung).

Einerseits soll die Finanzbranche die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung stärker unterstützen, andererseits muss die Geschwindigkeit der Transformation hin zur Klimaneutralität 2050 erhöht werden. Die Green Finance Alliance positioniert sich gemeinsam mit ambitionierten Finanzunternehmen auf diesem Pfad als Vorreiterin und Vorbild.

Auch Finanzunternehmen die erst am Beginn der Entwicklung ihrer Klimastrategie stehen können Mitglied werden. Die mit der Mitgliedschaft verbundenen Informationsangebote und Dialogformate können besonders für sie hilfreich sein.

Die Green Finance Alliance richtet sich sowohl an bestehende Vorreiter als auch an jene, die es noch werden wollen. Wichtig ist in beiden Fällen, dass sich die Finanzunternehmen zur Erfüllung des Kriterienkatalogs bekennen. Dafür müssen sie die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen intern zur Verfügung stellen.

Viele der EU-Regularien, die künftig für bestimmte Gruppen von Finanzinstituten verpflichtend sein werden (zum Beispiel die Berichtspflichten gemäß der CSRD, Taxonomie und SFDR), fokussieren vor allem auf detaillierte Offenlegungspflichten. 

Die Kriterien der Green Finance Alliance geben verpflichtende Vorgaben in Bezug auf die Transition hin zur Ausrichtung des Portfolios gemäß 1,5-Grad-Ziel des Pariser Übereinkommen und die Klimaneutralität sowie den Ausstieg aus fossilen Energieträgern vor. Die Berichterstattung im Rahmen der Green Finance Alliance dient dem Zweck, diese Bemühungen offenzulegen.

Es gibt zum Beispiel für die Mitglieder Workshops, Webinare und bilaterale Gespräche, die fachliche und wissenschaftliche Inhalte zur Umsetzung der Kriterien vermitteln. Einige Veranstaltungsformate werden auch in Kooperation mit unseren Beiratsmitgliedern gestaltet, die als nationale und internationale Expertinnen und Experten wichtiges Know-how unter anderem zu Methoden und zu aktuellen Entwicklungen vermitteln.

In der methodischen Entwicklung der Green Finance Alliance werden zu jedem Kriterium laufend internationale Good-Practice-Beispiele recherchiert und analysiert. Bei Interesse werden diese Informationen gerne zur Verfügung gestellt.

Der Kriterienkatalog der Green Finance Alliance bezieht sich auf das gesamte teilnehmende Finanzunternehmen, somit auch auf alle in- und ausländischen Tochtergesellschaften, auf die der Kriterienkatalog angewendet werden kann.

Tipp

Erfahren Sie mehr über die Green Finance Alliance mit dem Kriterienkatalog, das Handbuch sowie weitere Unterlagen in den Publikationen.

Sie haben noch Fragen zur Initiative? Unser Helpdesk steht Ihnen gerne zur Verfügung: greenfinance@umweltbundesamt.at