Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse

Die Monitoring-Verordnung 2018/2066 (MVO (→ europa.eu) enthält Anforderungen, in Bezug auf Biomasse-Brennstoffe und flüssige Biobrennstoffe die Nachhaltigkeitskriterien und Kriterien für Treibhausgaseinsparungen aus der Erneuerbaren-Richtlinie 2018/2001 (RED II (→ europa.eu)) anzuwenden.

Sonderjahr 2022

Die Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sieht die Einhaltung der Kriterien des Artikel 38 Absatz 5 MVO für das Kalenderjahr 2022 für Anlagen und Luftverkehrstätigkeiten, die dem EZG 2011 unterliegen, im Einklang mit Absatz 6 als erfüllt an, sodass der Emissionsfaktor für Biomasse in diesem Jahr null beträgt. Davon unbeschadet gilt die Anwendung der restlichen Vorgaben der MVO, inklusive des Artikel 38.

Regelungen ab dem Jahr 2023

Die Nachhaltigkeitskriterien und Kriterien für Treibhausgaseinsparungen (THG-Einsparungen) gemäß Artikel 38 Absatz 5 MVO sind hingegen ab dem Kalenderjahr 2023 nachzuweisen. In diesem Zusammenhang ist vor Kurzem das „Guidance Document 3 on Biomass issues in the EU ETS“ auf der Website der Kommission erschienen. Dieses beschäftigt sich unter anderem eingehend mit den Voraussetzungen, um Biomasse auch in Zukunft mit einem Emissionsfaktor von Null bewerten zu können.

Dabei können folgende Stoffstromtypen (auch als Teil von gemischten Stoffströmen) unterschieden werden:

  1. Biomasse, die Nachhaltigkeitskriterien und/oder Kriterien für THG-Einsparungen erfüllen muss.
  2. Biomasse, die keine Nachhaltigkeitskriterien und Kriterien für THG-Einsparungen erfüllen muss (zum Beispiel nicht-energetisch genutzte Biomasse).
  3. Fossile Stoffströme.

Für Stoffströme der ersten Kategorie wird das Überwachungskonzept jedenfalls anzupassen sein, um die zusätzlichen Anforderungen aus der Änderung der MVO zu integrieren.

Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung des Überwachungskonzepts

Inhaber von Emissionszertifikategesetz-Anlagen (EZG-Anlagen), die Biomasse einsetzen, haben somit ihr Überwachungskonzept zu überprüfen. Ergibt diese Überprüfung einen Anpassungsbedarf für das Überwachungskonzept, so ist die Änderung unverzüglich, jedoch bis spätestens Ende des betreffenden Jahres, der zuständigen Behörde zu melden.

Sollte keine Änderung notwendig sein, können Anlageninhaber dem Emissionsbericht für das Berichtsjahr 2022 (vorzulegen bis 31. März 2023) weitergehende Informationen beilegen, durch die eine Klassifizierung ihrer Stoffströme in die oben genannten Stoffstromtypen transparent nachgewiesen wird.

Berichterstattung über Biomasse

Ab dem Berichtsjahr 2023 sind die entsprechenden Nachweise gemäß Artikel 29-31 der RED II zu erbringen:

  • Betreiber von EZG-Anlagen können für das Jahr 2023 für Biomassen, für die die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien und Kriterien für Treibhausgaseinsparungen nicht nachzuweisen sind, eine Bestätigung über diesen Sachverhalt durch ihre unabhängige Prüfeinrichtung gemäß § 14 EZG 2011 erbringen. Für die Nutzung von Biomasse ab dem Jahr 2024 haben sich Betreiber von EZG-Anlagen für diese Bestätigung eines Zertifizierungssystems gemäß RED II zu bedienen.
  • Für Biomasse-Stoffströme, für die die Einhaltung der Kriterien gemäß RED II nachzuweisen sind, hat der Inhaber der EZG-Anlage entsprechende Nachweise eines (von der Europäischen Kommission anerkannten) Zertifizierungssystems über die Einhaltung der anzuwendenden Kriterien der Prüfeinrichtung, sowie auf Anfrage der zuständigen Behörde, vorzulegen (nähere Klarstellungen dazu werden über die nationalen Verordnungen zur Umsetzung der RED II getroffen).

Biomassen, für die die Nachweise nicht erbracht werden, ist gemäß Artikel 38 Absatz 5 der MVO wie ein fossiler Stoffstrom zu behandeln.

Hinweis

Zu diesem Thema wurde am 8. November 2022 ein Workshop zum Thema „Nachhaltige Biomasse im Emissionshandel“ veranstaltet.

Vorträge und Unterlagen des Workshops (→ Goverdrive)