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Vögel: Brachpieper, Wendehals, Sakerfalke, Wachtelkönig

Brachpieper

Rote Liste, „vom Aussterben bedroht“, Bestand europaweit rückläufig – auch in Österreich sieht es mit einem Bestand von 40 - 60 Brutpaaren nicht rosig aus für den kleinen Vogel.

Brachpieper sind Langstreckenzieher. Sie verbringen den Winter in wärmeren Ländern unseres Planeten wie Arabien, dem Süd-Iran, Westindien, der Sahelzone oder dem Nordosten Afrikas. Im Sommer finden sie ihren Weg zurück in ihren Lebensraum in Österreich.
Käfer, Heuschrecken und andere Insekten zählen zur Hauptnahrung der nur 17 Zentimeter großen Vögel. Die Bodenbrüter brauchen vegetationsfreie oder lückenhaft bewachsene Flächen wie Sand- und Schotterflächen, Heiden, Brachen oder Lichtungen, um sich bei uns wohlzufühlen.

In Österreich brütet der Großteil der Vögel in zwei Gebieten: dem nördlichen Burgenland (Parndorfer Platte und Heideboden) und dem Steinfeld in Niederösterreich. Trotz der starken Gefährdung des Brachpiepers gab es bis 2009 kein spezielles Schutzprojekt.

Artenschutzprogramm „Brachpieper“

vielfaltleben und BirdLife entwickelten in Kooperation mit der ÖBB ein Artenschutzprogramm für den seltenen Vogel. Neben der Bestandserhebung, die seit 2004 die konkreten Zahlen für weitere Maßnahmen liefert, werden aktiv die Flächen neben den Bahngleisen entbuscht und wuchernde Grasflächen eingedämmt. „Wir freuen uns, dass wir auf die Unterstützung der ÖBB zählen können. Wir brauchen beim Artenschutz wichtige und handlungsstarke HelferInnen, um die biologische Vielfalt und damit unsere intakte Lebensqualität zu erhalten“, betonen die Fachleute des Bundesministeriums. Bereits im Jänner 2011 wurde von BirdLife ein Aktionsplan zum Schutz des Brachpiepers veröffentlicht.

Sakerfalke

Im Neusiedlersee-Gebiet im Osten Österreichs leben kaum 20 Brutpaare. Der Sakerfalke ist damit eine der stark gefährdeten Vogelarten in Österreich.Die Steppen- oder Waldsteppenfalken gleiten von Osteuropa bis Zentralasien durch die Lüfte. Mit einer Größe von etwa einem halben Meter und einer Flügelspannweite von 105 bis -130 Zentimetern beeindruckt der Sakerfalke bei seinen Flügen. Die Weibchen sind bei dieser Vogelart schwerer  und größer als ihre männlichen Kollegen. Sakerfalken bauen selbst keine Nester, sondern sind auf Krähenhorste oder künstliche Nesthilfen angewiesen.

Projekt „Sakerfalke“

Gemeinsam mit BirdLife setzt sich die Kampagne vielfaltleben aktiv für den Schutz der gefährdeten Falkenart ein. In den Jahren 2009 und 2010 wurden an den Strommasten im Gebiet der Parndorfer Platter zahlreiche Nestboxen mit Unterstützung des Partners Verbund angebracht. Danach folgten das Auskundschaften von weiteren geeigneten Standorten und das Untersuchen der Bruterfolge. Von Februar bis Juni 2010 kontrollierte viefaltleben die Horste und konnte eine Steigerung des Bruterfolgs durch die sicheren Nestkästen feststellen.

Im Nordburgenland, dem westlichen Weinviertel und dem Vorland Marchauen errichtete man weitere 55 Horstplattformen mit dem Partner Austrian Power Grid (APG). Ziel der Kampagne ist der Erhalt der Sakefalken, sowie eine Verbesserung der Lebensbedingungen.

Schutzprojekt für den gefährdeten Wendehals

Nistkästen ersetzen fehlende Bruthöhlen im Leithagebirge. Der mittlerweile rare Vogel braucht Bruthöhlen in alten Obstbaumbeständen, die jedoch mehr und mehr verschwinden.

Die Weingartenlandschaft am westlichen Ufer des Neusiedler Sees bietet ideale Bedingungen für die Brutpflege und Nahrungssuche des Wendehalses. Das milde Seeklima, kleine Brachflächen und Trockenrasen ergänzen die reichhaltigen Weingärten mit Kirsch- und Pfirsichbäumen.

Speziell auf die natürlichen Baumhöhlen dieser alten Obstbaumbestände ist der Wendehals angewiesen. Weder er noch einige andere seltene Höhlenbrüter können sich Nisthöhlen selber schaffen. Die Auswahl an Brutmöglichkeiten wird jedoch immer geringer. Die Anzahl der Altbäume ist in den letzten Jahren stark gesunken und mit ihr auch die Population des Wendehalses.

Das Umweltministerium und BirdLife starten hier mit der Kampagne vielfaltleben aktiv ein Schutzprojekt. Mit dem Anbringen von entsprechenden Nistkästen wir dem Wendehals Ersatz für die fehlenden Bruthöhlen geboten und dafür gesorgt, dass es mit seiner Population wieder aufwärts geht. Diese heimische Vogelart ist ein wichtiger Bestandteil unserer biologischen Vielfalt und darf nicht verloren gehen.

Schleichende Dezimierung der Bäume begrenzt das Vorkommen

Die Gründe, warum viele der alten Obstbäume in den Weinbergen und Gärten fallen sind schnell erklärt. Beate Wendelin, Expertin von BirdLife: „Alte Obstbäume stehen sehr oft der maschinellen Bewirtschaftung im Wege und werden dann entfernt“. Ist der Traktor zu breit, muss der alte Obstbaum weichen. Auch Eingriffe wie Siedlungserweiterungen und Wegebauten führen zum Fällen von Altbäumen.

Aufbau von Altbaumbestand

Als erste Sofort-Maßnahme werden daher Nisthilfen in Bereichen angebracht, wo die alten höhlenreichen Bäume bereits fehlen oder selten geworden sind. 19 Nistkästen wurden in der Region angebracht und von der Wendehals-Population sofort angenommen. Längerfristig strebt Wendelin den Aufbau eines ausreichenden Altbaumbestandes an und die Wiederherstellung von Nahrungsflächen durch Entbuschung und Mahd.

Bürgermeister von Purbach hängt Nistkasten auf

Mit guten Bespiel voran geht der Bürgermeister von Purbach, Ing. Richard Hermann. Unter Fachkundiger Anleitung der BirdLife-Experten hängt er gleich selbst einen Nistkasten auf: „Ich bin begeistert wie positiv die Weingartenbesitzer die Nisthilfenmontage in den Weinbergen und Streuobstwiesen aufgenommen haben.“, so Richard Hermann.

Exkursionen zum Hotspot der Artenvielfalt

Der Wendehals ist nur ein Beispiel für die eindrucksvolle Artenvielfalt, wie sie hier am Leithagebirgsrand im Naturpark Neusiedler See noch zu finden ist. Andere gefährdete Vogelarten wie Heidelerche, Schwarzkehlchen und Neuntöter fühlen sich ebenso gut aufgehoben wie Smaragdeidechse oder das Wiener Nachtpfauenauge. Im Rahmen des Projektes finden auch geführte Rundgänge statt, bei denen diese stark gefährdeten Vogelarten beobachtet werden können.

Bedrohter Wachtelkönig braucht dringend Hilfe

BirdLife startet Österreich weiten Aktionsplan: Es schaut nicht gut aus für den Wachtelkönig im südlichen Machland. „Heuer ist der Langstreckenzieher, der den Winter in Afrika verbringt, gar nicht mehr aufgetaucht. Das ist ein herber Rückschlag, trotz aller Bemühungen und vereinzelter Schutzprogramme vergangener Jahre“, schlägt BirdLife-Projektleiter Gerald Pfiffinger Alarm. Wiesenvögel wie Wachtelkönig, Braunkehlchen oder Wiesenpieper sind in Österreich seit Jahren stark gefährdet und auf der Roten Liste. Besonders dramatisch ist die Lage beim Wachtelkönig.

Lebensraum verschwindet

Der in Österreich ehemals weit verbreitete Wiesenbrüter ist heute vom Aussterben bedroht. Wichtige Brutgebiete sind vor allem noch die March-Thaya Auen, der Wienerwald, der Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel, das mittlere Ennstal in der Steiermark, Teile des Wald- und Mühlviertels sowie das Vorarlberger Rheintal. Die Brutpaare schwanken zwischen 150 bis maximal 400 für ganz Österreich.

Nachtrufer versteckt in Wiesen

Außergewöhnlich für diesen Wiesenbrüter ist die Partnersuche. Das Wachtelkönig-Männchen sitzt versteckt im hohen Gras und lockt – ungewöhnlich in der Vogelwelt – mitten in der Nacht mit seinen typischen „crex-crex“-Rufen Weibchen an. Der Grund: Die meisten Zugvögel fliegen in der Nacht, so auch die Wachtelkönig-Weibchen.

Der Wachtelkönig brütet in feuchten Wiesen mit hohem Gras. „Heute sind die meisten Wiesen schon gemäht, wenn der Langstreckenzieher aus Afrika zurückkehrt. Der Wachtelkönig findet also nicht einmal mehr den Lebensraum, um überhaupt mit der Brut zu beginnen“, so Pfiffinger. Ursachen für den dramatischen Rückgang sind intensive Bewirtschaftung mit früher und flächendeckender Mahd, die Entwässerung von Feuchtwiesen sowie die Verschlechterung des Nahrungsangebotes für Brut- und Jungvögel durch Monokulturen und Düngung.

Nationaler Aktionsplan Wachtelkönig

Basis dafür ist ein Workshop im Herbst, an dem Wissenschafter, Naturschützer und Behörden teilnehmen werden. Finanziert wird die Initiative vom Umweltministerium im Rahmen der vielfaltleben-Kampagne. BirdLife erarbeitet bis 2010 konkrete Maßnahmen und Richtlinien.

Seit 2011 werden die Schutzprogramme in ganz Österreich umgesetzt. Vertragsnaturschutz sei dabei wesentlich: „Wir brauchen Pflegeverträge mit den Landwirten vor Ort, müssen Aufklärungsarbeit leisten und gemeinsam Flächen für die Brutgebiete definieren“, sagt BirdLife-Projektleiter Pfiffinger.

Im Aktionsplan sind folgende Maßnahmen enthalten:

  • Wissen über Bestand und Bestandsentwicklung in Österreich zusammenfassen
  • Erfahrungen zu Wachtelkönig-Projekten der letzten Jahre zusammenfassen und auswerten.
  • Ziele, Umsetzungsmaßnahmen, Zeithorizonte und Kostenschätzungen formulieren
  • Weitere geförderte Arten und Lebensräume:
    Tier- und Pflanzenarten extensiv bewirtschafteten Grünlandes profitieren ebenfalls von den Umsetzungsmaßnahmen für den Wachtelkönig.
  • Synergieeffekte bei Schutzmaßnahmen für den Großen Brachvogel (Numenius arquata) durch die Errichtung eines Schutzgebietes im Machland Süd.
    Die Ergebnisse wurden in einem Aktionsplan zum Schutz des Wachtelkönigs zusammengefasst.