ENSREG-Konferenz 2022 – Rückblick Vernetzungstreffen europäischer Nuklearaufsichtsbehörden in Brüssel

Unter dem Titel „Nuclear Safety in Europe“ trafen sich am 20.–21. Juni 2022 Delegationen europäischer Nuklearaufsichtsbehörden zur ENSREG-Konferenz (European Nuclear Safety Conference) in Brüssel. Diskutiert wurden die Themen nukleare Sicherheit in Kriegszeiten, der Umgang mit der Covid-Pandemie, Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle, Herausforderungen bei der Regulierung neuer Designs und Forschung im Bereich der nuklearen Sicherheit.

ENSREG-Konferenz 2022
Der Weg zur ENSREG-Konferenz 2022, Foto: Holzinger/BMK

Eigentlich hätte die sechste Konferenz der ENSREG (European Nuclear Safety Regulators Group) 2021 stattfinden sollen. Aufgrund von Einschränkungen wegen der Covid-Pandemie musste sie jedoch verschoben werden. Umso größer war die Freude, als am 20. und 21. Juni 2022 endlich wieder ein Austausch in Präsenz stattfinden konnte. Mehr als 230 Teilnehmer:innen kamen in Brüssel zusammen und diskutierten über die nukleare Sicherheit in Europa.

Nukleare Sicherheit in Kriegszeiten

Nach der Eröffnung der Konferenz wurde das Thema der nuklearen Sicherheit in Kriegszeiten besprochen. Oleh Korikov, stellvertretender Vorsitzender der Atomaufsichtsbehörde SNRIU der Ukraine, gab einen Einblick in die schwierige Arbeit seiner Behörde. Korikov legte dar, wie sehr die Tätigkeit der SNRIU durch den russischen Angriffskrieg erschwert ist. Das Panel kam zu dem Schluss, dass die nukleare Sicherheit unter Kriegsbedingungen in den nächsten Monaten und Jahren stärker beleuchtet werden muss.

Sicherheit von Kernkraftwerken in der Covid-Pandemie

Ein weiteres Panel widmete sich der Frage nach der Sicherheit von Kernkraftwerken während der Covid-Pandemie. Insgesamt zeigte sich, dass die Kernenergie in Europa eine gute Resilienz zeigte. Allerdings bleibt abzuwarten, welche „Long-Covid-Effekte“ sich für die Betreiber von Kernkraftwerken ergeben.

Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle und Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken

Ein Thema, das auch für Österreich große Bedeutung hat, ist jenes der Öffentlichkeitsbeteiligung im Umgang mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Am Podium und mit dem Publikum wurden Möglichkeiten der Partizipation besprochen. Es wurde deutlich, wie wichtig die Aufbereitung verständlicher Informationen ist. Expertinnen und Experten und die Öffentlichkeit müssen einander verstehen.

In Bezug auf den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken (LTO = Long Term Operation) wurde hervorgehoben, dass die zentrale Herausforderung darin besteht, wie die rechtlichen Aspekte in einem bestimmten Prozess umgesetzt werden können.

Wird eine Entscheidung, beispielsweise über ein Endlager für radioaktive Abfälle, getroffen, so muss diese Entscheidung der Öffentlichkeit erklärt und die Beweggründe für diese Entscheidung offengelegt werden.

Bilaterales Gespräch zwischen Österreich und der Ukraine

Für die Abteilung Strahlenschutz und die Nuklearkoordination bildete ein bilateraler Austausch mit Oleh Korikov den Abschluss des ersten Konferenztages. Zwischen der Ukraine und Österreich besteht ein bilaterales Abkommen, welches nun mit ersten Expertinnen- und Expertentreffen in die Praxis umgesetzt werden soll. Dies würde einen direkten Informations- und Erfahrungsaustausch im Bereich des Strahlenschutzes zwischen den beiden Ländern bedeuten. Österreich hätte außerdem die Möglichkeit, eigene Messstationen im Nahgebiet von ukrainischen Kernkraftwerken zu errichten und in das österreichische Strahlenfrühwarnsystem einzubinden. Es bestehen bereits mit mehreren europäischen Ländern solche bilateralen Informationsabkommen.

Regulatorische Herausforderungen und Forschung im Bereich nukleare Sicherheit

Der zweite Tag der Konferenz begann mit einem Panel zu den regulatorischen Herausforderungen, die neue Designs von Reaktoren mit sich bringen. 

Den Abschluss der ENSREG-Konferenz bildete ein Panel zum Thema der Forschung im Bereich nukleare Sicherheit. Die Diskutantinnen und Diskutanten besprachen, welche Fragestellungen in diesem Forschungsbereich behandelt werden sollten.

Austausch europäischer Nuklearaufsichtsbehörden

Zwischen und nach den Vorträgen und Diskussionsrunden blieb natürlich ausreichend Zeit für den Austausch zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. So konnte die Abteilung Strahlenschutz des Klimaschutzministeriums beispielsweise einen wertvollen Kontakt zur irischen Aufsichtsbehörde knüpfen.

In Bezug auf den Strahlenschutz haben Irland und Österreich einige Gemeinsamkeiten: beide Länder haben keine Kernkraftwerke zur Energiegewinnung. Außerdem bestehen in Irland und in Österreich Herausforderungen durch hohe Radonkonzentration in Gebäuden mancher Regionen. Speziell beim Radonschutz und der Öffentlichkeitsarbeit bei diesem wichtigen Thema sind wir gespannt auf einen künftigen regen Austausch.

Die Eindrücke, Gespräche und Diskussionen werden noch lange nachwirken. Wir von der Abteilung Strahlenschutz freuen uns bereits auf die nächste ENSREG-Konferenz!