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Umweltgesamtrechnungen: Konten Die Umweltgesamtrechnungen sind Satellitenkonten zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Die umweltrelevanten Daten der Umweltgesamtrechnungen in Österreich sind aktuell in folgenden Konten erfasst:

Physische Konten

Physische Konten erfassen jene Material- und Energieflüsse, die eine Volkswirtschaft in einer Periode durchlaufen, sowie alle Materialbestände dieser Volkswirtschaft. Dazu gehören:

  • Materialflussrechnung,
  • Luftemissionsrechnung,
  • Energiegesamtrechnung.

Materialflussanalyse

Die Materialflussanalyse (MFA) zeigt den physischen Austauschprozess zwischen Gesell­schaft und Natur. Sie gibt Aufschluss über den inländischen Materialeinsatz sowie die Importe und Exporte von Rohstoffen und Waren einer Volkswirtschaft. Dargestellt wird der Materialdurchfluss in Österreich für große Ströme wie mineralische Materialien, Biomasse, fossile Energieträger und Baurohstoffe.

Die technischen Einsparungspotenziale bei der Verwendung von Ressourcen sind hoch, doch werden Verbesserungen der Ressourceneffizienz zumeist durch Mengeneffekte aufgezehrt, das heißt die Einsparungen werden durch Mehrkonsum wieder wettgemacht.

So konnte die im Rahmen der Materialflussanalyse regelmäßig berechnete Ressourceneffizienz (wie viele Einheiten Material werden benötigt, um eine Einheit BIP zu erzeugen) in Österreich seit 2000 zwar gesteigert werden (um 22 Prozent), doch führte diese Effizienzsteigerung nicht zu einer absoluten Reduktion des Materialeinsatzes – dieser stieg im Vergleichszeitraum um 2,3 Prozent. Die Berechnung des Materialeinsatzes, der Ressourceneffizienz und weiterer Indikatoren erfolgt in Form von Zeitreihen regelmäßig im Rahmen der amtlichen Statistik.

Globaler Materialbedarf

Bei Betrachtung des Materialverbrauches spielen Importe und Exporte eine zunehmend große Rolle. Viele Grundstoffe der österreichischen Produktion und auch höher verarbeitete Güter werden heute importiert, gleichzeitig steigt die Masse exportierter Güter. In jedem Produktionsprozess werden viele Materialien benötigt, die nicht direkt in den Gütern stecken, aber im Zuge ihrer Herstellung in anderen Ländern verbraucht wurden. In der Berechnung des heimischen Ressourcenverbrauchs müssen diese Vorleistungen (die sogenannten Rohmaterialäquivalente (RME)) mitberücksichtigt werden.

Derzeit werden von Eurostat RME für die Mitgliedsstaaten berechnet, basierend auf den Daten einer gesamteuropäischen monetären IO-Tabelle, die durch ressourcenspezifische Koeffizienten für Europa ergänzt wird.

In Österreich werden schon seit einigen Jahren seitens des Instituts für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur im Auftrag des Bundesministeriums methodische Arbeiten zur Abschätzung der RME für Österreich vorgenommen. In diesem hybriden Modell wird eine Input-Output-Analyse mit LCA basierten Koeffizienten (Life Cycle Assessment) für jene Produkte ergänzt, deren physische Verflechtungen über monetäre IO Tabellen nicht adäquat abgebildet sind. Basierend auf diesem Modell entwickelte das Institut für Soziale Ökologie ein Excel-Tool zur Berechnung der RME für Österreich. Damit sind seit 2018 im Sinne einer umfassenden Darstellung die RME des österreichischen Außenhandels für die Berichtsjahre 2008 bis 2014 verfügbar. 

Luftemissionsrechnung (NAMEA Luft)

Bei der Luftemissionsrechnung werden die Emissionen von Luftschadstoffen, wie etwa Kohlenstoffdioxyd (CO2), Schwefeldioxyd (SO2) oder Feinstaub nach Wirtschaftsbereichen gegliedert, um sie den jeweiligen Verursachern zuordnen zu können.

Energiegesamtrechnung

Die Energiegesamtrechnung stellt auf Basis der Energiebilanzen die energetischen Verbrauchsdaten nach Wirtschaftsbereichen (NACE Klassifikation) aufgeschlüsselt dar. Das ermöglicht den direkten Vergleich von Wirtschaftsdaten mit dem Energieverbrauch der einzelnen Branchen.

Monetäre Konten 

Darunter werden umweltbezogene Finanzflüsse dargestellt, die in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht explizit ausgewiesen werden, wie Umweltschutzausgaben, Ökosteuern, Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung.

Öko-Steuern und weitere umweltbezogene Zahlungen

Eine ökologisch orientierte Besteuerung soll sowohl Produzentinnen und Produzenten als auch Konsumentinnen und Konsumenten zu einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen motivieren. Als Öko-Steuern gelten alle Steuern, deren Bemessungsgrundlage eine nachgewiesene schädliche Wirkung auf die Umwelt hat, wobei die Verwendung der aufgebrachten Mittel keine Rolle spielt. Zu den Öko-Steuern zählen:

  • Energiesteuern
  • Transportsteuern
  • Steuern auf Umweltverschmutzung
  • Ressourcensteuern

Für Öko-Steuern wurde auf internationaler Ebene ein statistisches Rahmenwerk zur Darstellung ihrer Struktur und Bedeutung in den einzelnen Ländern geschaffen. Nach diesen Vorgaben werden seit 1995 jährliche Auswertungen für Österreich durchgeführt.

Neben den eigentlichen Ökosteuern kommt auch anderen umweltbezogenen Zahlungsströmen wie etwa Müll- oder Wassergebühren und auch Einnahmen aus Roadpricing eine immer größere Bedeutung zu. Im Unterschied zu den Steuern sind Gebühren Entgelte für öffentliche Leistungen und damit zweckgebunden.

Auch die Einbeziehung umweltbezogener Förderungen in die Diskussion ist von steigender Relevanz. An einer einheitlichen Definition und Methodik von einerseits umweltmotivierten Förderungen – deren Motiv der Umweltschutz sein muss, und andererseits potentiell umweltschädlichen Subventionen wird derzeit unter Mitwirkung Österreichs auf EU-Ebene gearbeitet. 

Umweltschutzausgabenrechnung

Die Umweltschutzausgabenrechnung stellt die Umweltschutzaufwendungen des öffentlichen Sektors, des privaten Produktionssektors und der Privathaushalte gegliedert nach Umweltbereichen wie Luft, Wasser, Abfall usw. dar. Weitere Aspekte sind die Entstehung neuer Märkte, Beschäftigungseffekte und die Kosten unterlassenen Umweltschutzes. Die Umweltschutzausgabenrechnungen werden jährlich in der amtlichen Statistik veröffentlicht.

Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung

(vormals Leistungen der Ökoindustrien)

Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung umfassen alle Tätigkeiten, die der Messung, Vermeidung, Verringerung, Beschränkung oder Behebung von Umweltschäden dienen. Dadurch soll die Umweltverschmutzung und der Ressourcenverbrauch auf ein Minimum beschränkt werden.

In den letzten Jahren rückte das Themenfeld der Erhaltung natürlicher Ressourcen immer mehr in den Blickpunkt des Interesses. Nicht mehr nur der klassische Umweltschutz, sondern auch das Ressourcenmanagement gewann immer mehr an Bedeutung. Es zeichnete sich ein Strukturwandel von nachsorgenden zu integrierten Technologien ab. Umwelttechnologien und ‑produkte sollen natürliche Ressourcen schonen, sowie zu einer möglichst effizienten Nutzung derselben beitragen.

Um dem steigenden Interesse an entsprechenden Umweltdaten auf diesem Gebiet zu entsprechen, wurde mit dem "Environmental Goods and Services Sector (EGSS)", also dem Bereich "Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung", von Eurostat ein neues harmonisiertes Konzept entwickelt, welches Analysen zu Umsatzwachstum, Beschäftigungspotentialen, Technologieexporten sowie Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten im Bereich der Umwelt ermöglichen soll.

Hybride Konten

Sie stellen pro Wirtschaftsakteur Daten aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen verschiedenen umweltrelevanten Daten gegenüber.

Integrierte NAMEA

Die Grundidee einer National Accounting Matrix including Environmental Accounts (NAMEA) besteht darin, umweltbezogene  und wirtschaftsbezogene Daten in eine einheitliche Gliederung nach Wirtschaftsbereichen zusammenzuführen. Damit wird eine direkte Gegenüberstellung von Kennzahlen aus beiden Bereichen ermöglicht. Die integrierte NAMEA ist eine komplexe Variante und stellt mehrere umweltrelevante Bereiche ökonomischen Parametern gegenüber.

Die umweltbezogenen Daten setzen sich aus den Modulen Materialflussrechnung (MFA), Energieeinsatz, Luftemissionen, Umweltschutzausgaben, Ökosteuern und Gefährliche Abfälle zusammen. Die ökonomischen Kennzahlen umfassen den Produktionswert, die Bruttowertschöpfung und die Erwerbstätigen in Vollzeitäquivalenten.

Die integrierte NAMEA stellt somit eine umfassende Übersicht ökonomischer und umweltrelevanter Aspekte auf der Ebene der Wirtschaftssektoren in einem einheitlichen Rahmen dar und ermöglicht damit umweltpolitische Analysen sowohl auf gesamtwirtschaftlicher als auch auf Branchen-Ebene. So können etwa Entkopplungseffekte, zum Beispiel zwischen dem Materialverbrauch oder den Luftschadstoffen und dem Wirtschaftswachstum gezeigt werden.

Die NAMEA wird in Österreich seit 1997 vom Umweltbundesamt (UBA) und der Statistik Austria erstellt und als "integrierte NAMEA" im Auftrag des Bundesministerium für Klimaschutz, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) publiziert.