Fernwärme

Fernwärmesysteme zählen zu den saubersten, komfortabelsten und umweltfreundlichsten Formen von Energiebereitstellung für Heizung und Warmwasser. Ein weiterer Ausbau der Versorgungsnetze ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern trägt auch nachhaltig zur Erreichung energiepolitischer Ziele bei, insbesondere bei der Einsparung von Primärenergieträgern.

Erzeugung

Die Wärmeversorgung nimmt in Österreich eine zentrale Position der Energieversorgung ein. In Österreich wurden im Jahr 2020 rund 29 Prozent des energetischen Endverbrauches zur Raumtemperierung und Warmwasserbereitstellung eingesetzt.

Durch den Einsatz von hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zur Fernwärmeversorgung in Ballungszentren gelang es, ausgehend von den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, die CO2-Emissionen Österreichs deutlich zu reduzieren. 2020 wurden in Österreich folgende Energieträger für Nah- und Fernwärme eingesetzt: 52 Prozent erneuerbare Energieträger, 34 Prozent Erdgas, 7 Prozent Wärme aus thermischer Abfallbehandlung sowie 7 Prozent andere Energieträger eingesetzt. Der gesamte Primärenergieträgereinsatz in der Fernwärme betrug 2020 rund 23 Megawattstunden (MWh).

Verteilung

Die Trassenlänge der Heißwassernetze der Wärmeversorgungsunternehmen Österreichs stieg von 4.100 Kilometer im Jahr 2010 auf etwa 5.600 Kilometer in 2020. Für 2030 wird eine Netzlänge von 6.500 km prognostiziert (Quelle und weitere Info im Zahlenspiegel 2021, → Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen).  Eine Lokalisierung von  Fernwärmenetzen samt Potentialen für einen weiteren Ausbau sowie weiterführende Informationen finden sich auf der Website → austrian-heatmap.gv.at.

Für Ausbauprojekte von Fernwärme- und Fernkälteleitungen bieten das Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetz (WKLG) für eingereichte Projekte bis Ende 2020 sowie das Umweltförderungsgesetz (UFG) für Projekte eingereicht ab 2021 Förderungen an. Gefördert wird dabei der Netzausbau, der zur dauerhaften Emissionsreduktion beitragen und vor allem den Fernwärmeausbau in Ballungszentren beschleunigen soll. Für den Abbau der Warteschlange im WKLG ist eine ausreichende Dotierung sichergestellt. Für Projekte, die seit 2021 eine Förderung beantragt haben, stehen Mittel aus dem UFG zur Verfügung. Über die KPC werden dabei sowohl Fernwärmesysteme als auch –netze gefördert. Um auch im Bereich der Fernwärmeerzeugung das nationale Ziel der Klimaneutralität 2040 umzusetzen, ist für alle noch ausstehenden Förderprojekte (WKLG und UFG) ein Dekarbonisierungspfad der Verteilernetze zu erstellen. Dieser soll nachweisen, wie eine durchschnittliche jährliche Steigerung von erneuerbaren Energieträgen und Abwärme um 1,5 Prozent sowie ein Anteil von 60 Prozent bis 2030 und ein Anteil von 80 Prozent bis 2035 gewährleistet werden kann. Mit Hilfe der Förderungen gemäß Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetz wird der Ausbau der Infrastruktur nachhaltig stimuliert. Bisher wurden schon mehr als 125 Millionen Euro an Fördermitteln ausbezahlt, die eine jährlich Einsparung an CO2-Emissionen von etwa 575.000 Tonnen (über 20 Jahre) bewirken.

Verbrauch

In Österreich betrug der energetische Endenergieverbrauch der Fernwärme rund 72 Terajoule (TJ) für 2020. Davon wurden fast 85 Prozent zur Raumtemperierung und Warmwasserbereitstellung eingesetzt. Der Anteil am Endenergieverbrauch der Nah- und Fernwärme lag dabei bei knapp 20 Prozent und hat sich seit 1993 mehr als verdoppelt. Aktuell werden gemäß den Angaben des Mikrozensus 2019 der Statistik Austria bereits 27 Prozent aller Wohnungen in Österreich mit Nah-/Fernwärme beheizt, Tendenz steigend. Diese Art der Wärmeversorgung kommt insbesondere in Gebieten mit ausreichend hoher Wärmedichte zur Anwendung (siehe auch → austrian-heatmap.gv.at).

Fernkälte

Insbesondere in den Ballungszentren wird die Nachfrage nach Klimatisierung und Kühlung in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen, somit auch jene nach Fernkälte, einem Zukunftsmarkt mit hohem Investitionsbedarf, jedoch auch hohem Effizienzpotential. 2020 hatte Österreich eine Netzlänge für Fernkälte von knapp 25 Kilometer verglichen mit 7 Kilometer im Jahr 2011. Die installierte Fernkälteleistung liegt bei über 160 Megawatt (Quelle und weitere Informationen im Zahlenspiegel 2021, → Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen). Technisch sind die dafür notwendigen Großanlagen (primär auf Basis Abwärme betrieben) ausgereift und ermöglichen gegenüber dezentralen, elektrisch betriebenen Kleinanlagen Einsparungen an Primärenergieträgern und CO2.

Information über die Aufschlüsselung der Primärenergieträger nach § 88 EAG (PDF, 157 KB)