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11: Oberhofen im Inntal Ein dialogischer Planungsprozess für ein zukunftsfähiges Dorfzentrum in der Tiroler Gemeinde.

Kurzprofil zur Gemeinde

Die Gemeinde Oberhofen liegt im oberen Inntal im Bezirk Innsbruck Land und hat derzeit ca. 1.750 Einwohner und Einwohnerinnen. Die bäuerliche Grundstruktur ist im alten Ortsgebiet noch sichtbar: Nutzgärten, Fußwege, Gassen und wenig befahrene Straßen bieten viel Frei- und Bewegungsraum für die Bewohner und Bewohnerinnen. Materialität und Dachformen der Gebäude sind sehr einheitlich und stimmig – Eingriffe und Neubauten wurden sensibel umgesetzt. Oberhofen wird von zwei zentralen Orten geprägt: der aufgelassene, z.T. denkmalgeschützte Gasthof Rimml bietet großes Potential. Schule- Kindergarten- Gemeindehaus bilden gemeinsam mit der Kirche und dem Friedhof das zweite Zentrum. Der dazwischen gebildete Dorfplatz ist gut situiert und in seiner Größe dem Ort entsprechend.

Oberhofen ist durch die Nähe zu Telfs und Innsbruck eine stark wachsende Gemeinde: Durch die Westbahntrasse vom ursprünglichen Dorf getrennt, hat sich nach Süden hin ein Neubaugebiet mit Wohnhäusern sowie Betrieben und Geschäften entwickelt, das einen anderen Charakter aufweist.

Ansprechpersonen

Gemeinde Oberhofen: Bürgermeister Peter Daum, Projektleiter DI Gregor Wieland

Prozessbegleiterin: Mag. Ruth Buchauer/ U1coop, Unterbergerstrasse 1, A-6020 Innsbruck, www.ueins.at

LA21-Leitstelle im Bundesland: Geschäftsstelle Dorferneuerung des Landes Tirol, DI Diana Ortner

Prozessverlauf der LA 21 in Oberhofen

Ausgangslage und Aufgabenstellung

Im Jahr 2016 stand die Gemeinde vor der Herausforderung, zusätzliche Kinderbetreuungsplätze schaffen zu müssen. Auf Empfehlung des Gestaltungsbeirats des Landes Tirol wurde der „Ausschuss Gemeindezentrum“ gegründet, der als Basis für alle weiteren Maßnahmen eine umfangreiche Erhebung zum gemeindeeigenen Gebäudebestand und zum Raumbedarf der Gemeindeeinrichtungen und Vereine durchführte.

Ziel des LA21-Prozesses ist die partizipative Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für die koordinierte und stimmige Nutzung aller Gemeindeliegenschaften und eines Stufenplans für die Umsetzung.

Ablauf  des bisherigen Prozesses

Die nun durchgeführte „Planungsstudie im Dialog“ ist ein für die Anliegen der Gemeinde maßgeschneiderter Prozess. Im Mittelpunkt steht ein dialogischer Planungsprozess, zu dem gezielt verschiedene Dialoggruppen eingeladen werden und parallel auf mehreren Ebenen gearbeitet wird.

Während einerseits Anregungen und Ideen aus der Bevölkerung sowie die Expertise von Bundesdenkmalamt und Dorferneuerung eingeholt werden, arbeiten zwei voneinander unabhängige Architektenteams an der Erstellung einer Ist-Analyse und entwickeln daraus zwei Entwurfskonzepte, die verschiedene Varianten eines Masterplans aufzeigen. Diese Konzepte dienen als Gesprächsgrundlage und werden bei einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert, zur Diskussion gestellt und mit der Bevölkerung weiterentwickelt.

In mehreren darauffolgenden Workshops mit den entscheidenden Personen der Gemeinde wird aus allen eingebrachten Ideen und Sichtweisen ein gemeinsamer, konsensfähiger Masterplan erstellt.

Die Eckpfeiler des Prozesses:

  • Basis: umfassende Erhebung des Ausschusses
  • Festlegung der Rahmenbedingungen (zur Verfügung stehende Flächen, erforderliches Raumangebot, gesetzliche Bestimmungen, Denkmalschutz, ...)
  • Ausarbeitung von zwei Entwürfen durch zwei voneinander unabhängige Architektenteams: DI Harald Kröpfl/ Landeck und DI Norbert Buchauer/ U1architektur/ Innsbruck
  • Einbringen von Ideen und Anregungen durch die Bevölkerung über Online- und analoge IdeenformulareInputs von Experten aus Bundesdenkmalschutz und Architektur im Rahmen der Gemeindeversammlung
  • Präsentation, Diskussion und Weiterentwicklung der Entwürfe mit interessierten BürgerInnen bei der Gemeindeversammlung
  • Dialogische Weiterentwicklungsschritte mit dem Steuerungsteam und den Architekten
  • Zusammenführung aller Beiträge (Entwürfe, Ideen, Kritikpunkte, ...) zu einem Masterplan, der die Basis für alle weiteren planerischen Umsetzungen in der Gemeinde darstellt
  • Rückmeldung des Ergebnisses an alle Beteiligten
  • Prozessbegleitende Sitzungen des Steuerungsteams
  • Kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit für transparente und laufende Information (vgl. Pressespiegel)

Projekte und Aktionen

„Planungsstudie im Dialog“ - Wissenswertes

  • Bestandsaufnahme durch den Ausschuss „Dorfzentrum“: Die umfangreiche Erhebung der gemeindeeigenen Liegenschaften und des Raumbedarfs durch die Mitglieder des Ausschusses „Dorfzentrum“ stellt die Basis für alle weiterführenden Arbeiten dar und hat bewirkt, dass die Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen der Gemeinde über ein umfassendes Verständnis der baulichen Situationen verfügen. Dies wirkt sich positiv für den weiteren Entwicklungsprozess aus.
  • Kooperation in Konkurrenz: Die architektonische Bearbeitung der Aufgabenstellung durch zwei voneinander unabhängige Architekturteams macht die Vielfalt der möglichen Lösungsvarianten sichtbar. Im Gegensatz zu einem Architekturwettbewerb wird allerdings nicht auf größtmögliche Konkurrenz gesetzt („The winner takes it all“), sondern im Verlaufe des Prozesses versucht, die jeweiligen Stärken und Vorteile beider Entwürfe zu einem gemeinsamen Ganzen zusammen zu führen. Dieses Ganze ist auch mehr als ein simples Zusammenwerfen der besten Einzelteile: die getrennten Entwürfe dienen  - ebenso wie die Beiträge der anderen Dialogpartner (Denkmalamt, Dorferneuerung, GemeindevertreterInnen, Anrainer, Bevölkerung, …) als Ausgangsbasis für die weitere Bearbeitung, sozusagen als „Rohmaterial“. Durch die dialogische Weiterentwicklung wird dieses Rohmaterial „geschliffen“, verfeinert und in einer neuen Art und Weise kombiniert, sodass sich ein Mehrwert ergibt. Voraussetzung für das Gelingen einer derartigen Vorgangsweise ist der wertschätzende Umgang aller Beteiligten miteinander und die Haltung, dass das gemeinsame Ziel oberste Priorität hat. Die Auswahl der passenden Architektenteams ist daher wesentlich. Zusätzlich bedarf es einer entsprechenden Prozessmoderation, die diese Arbeitsatmosphäre fördert und auch durch konfliktreichere Phasen steuern kann.
  • Weiterentwicklung im Steuerungsteam: Bei der Weiterentwicklung der architektonischen Entwürfe unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus der Bevölkerung und der Fachleute wurde ein konsequent partizipativer Weg eingeschlagen. Anstatt von Expertenseite eine Lösung vorzuschlagen, stellten die Architekten ihr Fachwissen zur Verfügung um den politischen Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgerinnen im Steuerungsteam ihre Arbeit zu erleichtern und zu ermöglichen. Die Verantwortlichen selbst entwickelten durch diese planerisch begleitete und prozesshaft moderierte Auseinandersetzung mit den örtlichen Herausforderungen und Wünschen ihre eigene maßgeschneiderte Lösung. Zwei Erkenntnisse konnten hierbei gewonnen werden: Zum Ersten konnten die Eckpfeiler des Masterplans (Verortung der Zentren, verbindende Achsen, Zuordnung von Funktionen, …) sehr schnell und im Konsens gefunden werden. Für die Klärung der Details brauchte es etwas mehr Zeit. Zum Zweiten zielte die Lösung, die die Architekten im Vorfeld ins Auge gefasst, aber nicht kommuniziert hatten, in die gleiche Richtung. Fazit: Mit ausreichend Zeit und darauf abgestimmter prozesshafter Vorgangsweise können die Betroffenen selbst qualitativ hochwertige Lösungsvorschläge entwickeln. Die Vorteile gegenüber einer „Expertenlösung“ liegen in einer höheren Akzeptanz und großen Verbindlichkeit, die sich durch den gemeinsamen Entwicklungsweg ergeben.
  • Wissenstransfer und Horizonterweiterung: Durch partizipative Prozesse wie der „Planungsstudie im Dialog“ wird sogenanntes Alltagswissen und Expertenwissen zusammengeführt und ausgetauscht. Dadurch entsteht neues Wissen, das für das Gelingen des Planungsauftrags wesentlich ist. Auf der einen Seite stehen die Bewohner und Bewohnerinnen und politischen Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen als jene mit Expertenwissen vor Ort (über die Stärken und Möglichkeiten von Örtlichkeiten, Wissen um die Geschichte, Verbindungen oder kritischen Punkte). Sie verfügen über den „Blick von Innen“.
    Den unvoreingenommenen „Blick von Außen“ bringen die externen Fachleute aus Architektur, Denkmalschutz und Dorferneuerung als Experten und Expertinnen in ihren jeweiligen Fachbereichen mit. Eine Begegnung dieser beiden Seiten auf Augenhöhe ist dabei zentral.

Ausblick

  • September und Oktober 2018: Finanzierungsgespräche mit dem Amt der Tiroler Landesregierung/ Raumordnungsabteilung und dem Bundesdenkmalamt
  • Start der Planung für die Revitalisierung des Rimml-Areals
  • Vorbereitung des Architektenwettbewerbs für das Areal „Haus des Kindes“ auf Basis der „Planungsstudie im Dialog“
  • Öffentliche Abschlussveranstaltung zur Präsentation der Prozessergebnisse an alle Beteiligten

Projektteam in der Gemeinde Oberhofen:

Bürgermeister Peter Daum, Bgm-Stv. Manfred Linter, Ausschuss-Obmann und Projektleiter GR Gregor Wieland, GV Mark Brecher, GR Alexander Fritz, GR Karin Gasser, GR Thomas Kraler, Ersatz-GR Daniel Mayr Ersatz-GR Jürgen Schreier

Redaktion und Rückfragen

Mag. Ruth Buchauer, coop@ueins.at, +43 699 11274717

Webseite der Gemeinde Oberhofen

Die Inhalte dieser Seite wurden von Mag. Ruth Buchauer (u1coop, Innsbruck/ Tirol) gestaltet.