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Kleinarl: Prozess des Monats 5/2019 Gutau aus dem Mühlviertel Oberösterreichs blickt seit mehr als 10 Jahren auf eine erfolgreiche Beteiligungskultur und Zukunftsarbeit zurück. Die Agenda 21 in Form einer überparteilichen Initiative verhalf zu einer neuen Arbeitskultur in den Gemeindegremien, ein Zukunftsprofil gab dabei Orientierung. Zahlreiche Projekte wurden umgesetzt, viele mit einer langfristig positiven Wirkung auf die Lebensqualität. Das Miteinander bekam eine neue Bedeutung.

Kurzprofil zur Gemeinde

Die oberösterreichische Marktgemeinde Gutau liegt in der Region Mühlviertel im Bezirk Freistadt und zählt ca. 2.730 Einwohnerinnen und Einwohner. Gutau legt großen Wert auf eine funktionierende Infrastruktur. Leistbare Baugrund- und Wohnungspreise bilden die Basis für den Lebensmittelpunkt der Menschen. Ein vielfältiges Kinderbetreuungsangebot, engagiertes Vereinsleben, eine funktionierende Nahversorgung und die schöne Natur ergänzen die Entscheidung der Menschen in der Wohn- und Pendlergemeinde Gutau als ihre Mitte zu wählen. Dies spiegelt sich in einer positiven Bevölkerungsentwicklung wieder. Angebote für den sanften Tourismus motivieren auch Gäste nach Gutau im Mühlviertler Kernland zu kommen.

Unter dem Motto „Gutau taugt guat“ startete die Gemeinde 2006 einen ersten Agenda 21 Prozess als überparteiliche Initiative, die gemeinsam mit der Bevölkerung für ein lebenswerteres Gutau arbeiten wollte. Daraus entstand eine neue Arbeitskultur in den Gemeindegremien und bei der Bearbeitung von Themen in der Gemeinde. Das Zukunftsprofil ist eine wesentliche Unterstützung für eine zielgerichtete Arbeit in der Gemeinde. Über die Jahre wurden zahlreiche Projekte gemeinsam umgesetzt, viele mit einer langfristig positiven Wirkung auf die Lebensqualität in der Gemeinde. Das Miteinander bekam eine neue Bedeutung. Gutau kann heute auf eine schon über 10 Jahre andauernde erfolgreiche Beteiligungskultur und Zukunftsarbeit zurückblicken. Diese fand 2017 mit dem Start des 2. Agenda 21-Folgeprozesses ihre gelungene Fortsetzung.

Ansprechpersonen

  • Agenda 21-Team vor Ort: Bgm. Josef Lindner, Christian Mayrhofer
  • Agenda 21- Prozessbegleiter: Karlo M. Hujber, DI Richard Steger
  • Regionalmanagement OÖ, GST Mühlviertel, Fachbereich Nachhaltigkeit und Umwelt: Christine Rehberger, MA
  • Leitstelle Agenda 21 in Oberösterreich: DI Günther Humer, Mag. Josef Neuböck, Sylvia Aistleitner

Prozessverlauf der Lokalen Agenda 21 in Gutau

Die ersten Schritte in der Zukunftsarbeit mit dem Agenda 21-Basisprozess 2006

Gestartet wurde mit einer intensiven und kreativen Sensibilisierungsphase für die breite Bevölkerung. In Zukunftsdialogen diskutierten und sammelten die Bürgerinnen und Bürger die Potentiale und Herausforderungen der Gemeinde. Bearbeitet wurde eine vielfältige Themenlandschaft, um darauf aufbauend das erste Zukunftsprofil zu erstellen. Vitaler Ortskern, Gutau – die Färbergemeinde, Arbeit und Wirtschaft, Gutau – familien- und lebensfreundlich, Gesundheit und Fitness, Aktiv sein braucht Platz, Bildung und Kultur bewegt, Energie der Zukunft, Bäuerliche Produkte und Dienstleistungen waren die Überschriften zu den zukünftigen Zielen der Gemeinde.

Den Worten folgten viele Taten wie beispielsweise die Errichtung einer gemeinsamen Mediathek von Pfarre und Gemeinde, die Weiterentwicklung des Vogelkundeweges, Ausbau des Geh- und Radwegenetzes, Verbesserungen im Hochwasserschutz, Aufbau einer Gutauer Holzbörse als Unterstützung für die Forstwirte, der Wirtschafts- und Ökotag zur Stärkung der Kooperation der Gutauer Wirtschaft, eine 35 m2 große Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hauptschule, ein Projekt zur Suchtprävention in der Hauptschule Gutau oder eine zwölfteilige Radioserie im Freien Radio Freistadt über Frauen die nicht in Österreich geboren wurden aber hier ihren Lebensmittelpunkt haben unter dem Titel „Fremd bin ich eingezogen“. Die Positionierung als „Färbergemeinde“ gab es schon zuvor, wurde aber ab hier kontinuierlich weiterentwickelt.

„Gutau taugt guat“ – die nächsten Schritte: Ein Follow up des erfolgreichen Weges in Gutau

Gutau ist überzeugt: Ein Zukunftsprofil ist ein lebendiges Instrument, das in einem gemeinsamen Diskussionsprozess mit den Menschen entsteht und natürlich auch veränderbar ist. 2011 entschloss man sich daher zur Durchführung eines Agenda 21 Follow up – Prozesses, um die bisherigen Ergebnisse zu evaluieren sowie neue Themen sichtbar zu machen. Gemeinsam mit den Gutauerinnen und Gutauern wurden das bestehende Zukunftsprofil weiterentwickelt und die nächsten Projekte auf den Weg gebracht. Daraus hervor ging die Entwicklung eines Konzeptes für ein „Kompetenzzentrum Blaudruck“, dass auch schrittweise realisiert wird.

Agenda 21-Themennetzwerk: Ein Otelo am Land – Geht das?

Otelo steht für „Offenes Technologielabor“ und meint einen Raum der Menschen kostenlos zur Verfügung gestellt wird zum Experimentieren und kreativen Tun. Otelos entwickelten sich vor allem in Städten und größeren Gemeinden. Gemeinsam mit drei anderen Gemeinden und einer Leaderregion machte es sich Gutau im Rahmen des Agenda 21-Themennetzwerkes „Hochland Otelo“ zur Aufgabe das Konzept für Kleingemeinden weiterzuentwickeln. Daraus entstand anknüpfend an den Schwerpunkt Blaudruck die Zeugfärberei. Eine offene Werkstatt, wo mit Kombinationen von Blaudruck und anderen Techniken experimentiert wird sowie es Versuche gibt den Blaudruck umweltfreundlicher zu machen.

10 Jahre Agenda 21 – Taugt Gutau noch immer guat?

Unter dem Motto „Gutau – mei Mitt’n“ machte sich die Gemeinde 2018 erneut auf, um im zweiten Follow up-Prozess die Sichtweisen und Ideen der Bürgerinnen und Bürger einzuholen und Konfliktlinien auszuloten. Die Aktivitäten der letzten Jahre haben viel zur Zukunftsfähigkeit der Gemeinde beigetragen und Bürgerbeteiligung wurde auch außerhalb der Prozesse kontinuierlich umgesetzt. So zum Beispiel bei der Erstellung des neuen Verkehrskonzeptes 2017. Dabei stellte sich heraus, dass die Entwicklung des Ortskerns einer intensiveren Auseinandersetzung bedarf. Zudem hat sich in den vergangenen 10 Jahren vieles verändert und die Themen des alten Zukunftsprofils müssen unter einem neuen Blickwinkel betrachtet werden.

Zum Start erfolgte ein vielfältiger Aktionstag. Mehrere Stationen im Gemeindegebiet ermöglichten es den Bürgerinnen und Bürgern ihre Anliegen zu den verschiedensten Themen einzubringen. Auch Kinder hatten dabei die Chance ihre Ideen und Wünsche sichtbar zu machen. Von der Marktplatzgestaltung und qualitätsvollem Wohnen im Zentrum, über Gutau als Wirtschaftsstandort, Erneuerbare Energien oder Biologische Vielfalt bis zu Freizeit und Naherholung sowie zeitgemäßes Freiwilligenmanagement reichen die Themen im neuen Zukunftsprofil. Besonderes Highlight des Prozesses: Im Gemeindeamt wurde ein eigener Raum für eine wachsende Agenda 21-Austellung eingerichtet. Die Ideen und Projekte des laufenden Prozesses werden vorgestellt und man kann jederzeit Anregungen ergänzen. Damit die Menschen mit dem Angebot vertraut werden, nimmt sich Bürgermeister Josef Lindner immer wieder Zeit selbst verschiedene Gruppen durch die Ausstellung zu führen. Der Raum bleibt nach dem Prozess bestehen und soll ein dauerhaftes Angebot werden.

Projekte und Aktionen

mediathek und Zukunftswerkstätte

Die Mediathek war das erste realisierte Projekt der Marktgemeinde Gutau im Agenda 21 Prozess 2007 und ist ein Kooperationsprojekt der Pfarre Gutau sowie der Gemeinde. Die gemeinsame Bibliothek ist ein wichtiger Ort der Begegnung für kulturinteressierte und lesebegeisterte GutauerInnen geworden. Mit verschiedenen Veranstaltungen wird die Lust am Besuch in der mediathek geweckt. Außerdem gibt es eine eigene Jugendöffnungszeit, während dieser die Jugendlichen selber bibliothekarische Aufgaben wahrnehmen und für den Besuch anderer Jugendlicher zur Verfügung stehen.

Durch diese Zusammenlegung wurde der Raum der Gemeindebücherei frei. Dem Leitgedanken des Kernteams folgend: „Wer an der Zukunft mitarbeitet, soll auch gute Voraussetzungen vorfinden können“, wurde dort die Zukunftswerkstätte eröffnet und damit ein Platz für die vielen Engagierten in der Gemeinde geschaffen. Der Raum bietet eine freundliche Atmosphäre und die wichtigsten Arbeitsmittel für ein kreatives Arbeiten im Team. Er steht allen Gruppen und Vereinen zur Verfügung die an Zukunftsprojekten der Gemeinde arbeiten.

Natur erleben am Gutauer Vogelkundeweg

2009 wurde der neugestaltete Vogelkundeweg in Gutau eröffnet. Mit vielen tollen Ideen informiert der Weg die Wanderer über die Welt der heimischen Vögel. Schon in der ersten Station, einem eigenen Schauraum, gibt es eine große Überraschung: Ein Film erzählt in Märchenform von der Faszination des Fliegens und es gibt die Möglichkeit über 100 Vogelstimmen abzurufen. Ein riesiges Vogelnest, ein begehbarer Nistkasten, Spielstationen und ein überdimensionales Hörrohr für die Geräusche des Waldes laden anschließend zum Austoben und Staunen entlang des Weges ein. Eltern und Kindern werden so auf schützenswerte Lebewesen vor der Haustüre aufmerksam gemacht.

Nachhaltige Lösungen im Hochwasserschutz

Die Gemeinde erneuerte und aktualisierte die Einsatzpläne für den Ernstfall. Zudem wurden bei Feuerwehr, Behörden, Helfern etc. ausreichende Kapazitäten zur Hilfeleistung gesichert. Zudem wurde die Kooperation mit anderen Gemeinden gesucht. Im Hochwasserschutzverband Aist erarbeitete man gemeinsam mit Expertinnen und Experten, Bürgerinnen und Bürgern und Bürgern ein Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz. Dabei wurden sowohl die Schutzbedürfnisse der Menschen berücksichtigt, als auch die Sensibilität des Naturraums und auf eine ökologische Ausführung geachtet.

Gutau – die Färbergemeinde und ein Kompetenzzentrum für Blaudruck

Der ursprüngliche Fokus im Bereich Färbergemeinde war hauptsächlich auf den Erhalt der handwerklichen Techniken und auf volkskulturelle Aktivitäten ausgerichtet. Es gab ein Färbermuseum und der Gutauer Färbermarkt findet seit dem Jahr 2000 statt. Mit dem Projekt Blaudruckwerkstatt aus 2007/2008 wurde der Grundstein für die nachhaltige Entwicklung der Zielsetzung „Gutau – die Färbergemeinde und ein Kompetenzzentrum für Blaudruck“ gelegt. In Gutau wohnhafte Künstlerinnen und Künstler haben hier eine Entwicklungsmöglichkeit entdeckt. Die Verbindung der Kompetenz „Wissen über die Tradition des Blaudruckes“ durch das Färbermuseum und der Kreativität der KünstlerInnen bildet den Grundstein über die Gemeindegrenzen hinaus zu wirken. Die Kontakte mit den vielen Blaudruckern aus ganz Mitteleuropa haben sich verstärkt.

Mittlerweile sind aus diesen Aktivitäten ein Otelo, eine beachtenswerte unternehmerische Initiative sowie ein länderübergreifendes Kooperationsprojekt entstanden. Besondere Highlights 2018: Mit mehr als 5000 Besucherinnen und Besuchern war der Färbermarkt mit internationalen Aussteller/innen ein riesiger Erfolg. Ein Antrag, der beim Gutauer Färbermarkt 2016 von Blaufärbern aus Deutschland, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Österreich an die UNESCO gestellt wurde führte dazu, dass der „Blaudruck“ auf die „Internationale Liste der immateriellen Kulturgüter der Menschheit“ gesetzt wurde.

Ausblick

Für 2019 ist ein Bürgerrat zum Thema „Freiwilligen-Engagement“ geplant, um zur Förderung der Freiwilligenarbeit und des bürgerschaftlichen Engagements neue zeitgemäße Modell zu erarbeiten. Zudem stehen die ersten Projekte in den Startlöchern:

Vom Kriegerdenkmal zum Friedensplatz

Die heutige Lage des Kriegerdenkmals in Gutau verhindert seinen ursprünglichen Zweck. Ein Verweilen oder pietätvolles Gedenken der Verstorbenen ist nicht möglich, da das Verkehrsaufkommen um das Denkmal zu hoch und zu gefährlich ist. Zudem wird eine Neunutzung des Marktplatzes erschwert. Gemeinsam mit den Vereinen, der Pfarre und der Bevölkerung wird nun ein neuer, würdigerer Standort gesucht. Weiters gibt es Überlegungen das Kriegerdenkmal in seiner Bedeutung zu erweitern und als Friedensplatz zu gestalten.

Qualitätsvoll Wohnen – In der Mitt’n

Die Gemeinde möchte aktiv vermitteln wie attraktiv zentrumsnahes Wohnen sein kann und Bauwerbende und Bauträger für innovative Wohnprojekte zu gewinnen. Einen besonderen Fokus legt Gutau dabei auf Leistbarkeit und Modelle, die dem Bedarf verschiedener Lebensphasen (Startwohnungen, Paare, Senioren, …) entsprechen. Ebenso wichtig ist der Gemeinde bodensparendes Bauen und Minimierung der Bodenversiegelung. Dazu wird im ersten Schritt für 2019 eine Seminar-Exkursion zu innovativen Wohnmodellen durchgeführt.

Biologische Vielfalt erhalten

Im neuen Zukunftsprofil haben sich die Gutauerinnen und Gutauer vorgenommen, sich bewusst für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzusetzen. Dies soll möglichst praxisnah und durch Gemeinschaftsprojekte realisiert werden. Im ehemaligen Pfarrhofgarten stehen Flächen zur Verfügung die als Gemeinschaftsgarten genutzt werden können. Zudem gibt es Überlegungen ein „grünes Klassenzimmer“ einzurichten um auch bei Kindern auf anschauliche Weise das Bewusstsein dafür zu stärken.

Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 13. Mai 2019 wurden die entstandenen Projekte und das druckfrische „Kleinarler Zukunftsprofil“ der gesamten Bevölkerung präsentiert. Wertvolle Einblicke in die Anliegen der Bevölkerung und Dynamiken in der Gemeinde konnte der Ortsplaner durch seine Teilnahme an sämtlichen Agenda 21-Veranstaltungen gewinnen. Die Inhalte des Zukunftsprofils dienen als zukunftsweisende Basis für die weitere Entwicklung des Räumlichen Entwicklungskonzeptes, welche sich noch über einen längeren Zeitraum erstrecken wird.

An der weiteren Umsetzung der Projekte wird konsequent und mit Unterstützung durch die Agenda 21-Beraterinnen des Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR) gearbeitet. Ein Agenda 21-Folgeprozess wird angestrebt, sobald die Projekte etwas klarer fokussiert sind.

Redaktion und Rückfragen

Marktgemeinde Gutau, Bürgermeister Josef Lindner
E-Mail: josef.lindner@gutau.ooe.gv.at
Telefon: +43 (0) 664 / 61 55 944

Regionalmanagement OÖ, GST Mühlviertel, Fachbereich Nachhaltigkeit und Umwelt

Christine Rehberger, MA
E-Mail: christine.rehberger@rmooe.at
Telefon: +43 (0) 7942 77 188 43 04

Die Inhalte dieser Seite wurden von der Gemeinde Gutau und Regionalmanagerin Christine Rehberger gestaltet.