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Kauns: Prozess des Monats 8/2019 Die Lebensqualität nachhaltig erhöhen und neuen Lebensraum für junge Familien schaffen. Das ist das Ziel der kleinen Gemeinde Kauns im Tiroler Oberland für die nächsten Jahre. Vieles in diese Richtung ist schon passiert, hier die Nachlese zum bisherigen Prozess „zukunft.kauns – ein Dorf im Wandel“.

Kurzprofil zur Gemeinde

Kauns liegt im Tiroler Oberland im Bezirk Landeck und ist mit knapp 500 Einwohnerinnen und Einwohnern und einer Fläche von 8,25 m2 auf 1.050 Metern Seehöhe zwar ein sehr kleines, dafür aber auch ein sehr lebendiges Dorf mit einer starken Dorfgemeinschaft. Vor allem das Vereinsleben ist sehr aktiv. Trotzdem leidet die Gemeinde im Naturpark Kaunergrat an den typischen Problemen des ländlichen Raums.

Von der Bevölkerungsstruktur her ist der Ort in die Jahre gekommen und es ist ein Problem, junge Menschen in Kauns zu halten. Sozialen Wohnbau sucht man vergebens und auch an Bauplätzen mangelt es in dem kleinen Bergdorf. Dabei gibt es zahlreiche Anfragen junger Leute aus dem Ort, aber auch von außerhalb. Schaut man noch genauer hin, hat die Gemeinde inzwischen keinen Lebensmittelhändler mehr, der Postbus fährt den Ort lediglich siebenmal pro Tag (das letzte Mal um 18.39 Uhr) an und es gibt so gut wie keine Betriebe bzw. auch keine Tourismusangebote.

Unter dem Motto "zukunft.kauns - ein Dorf im Wandel" startete die Gemeinde 2018 unter Bürgermeister Matthias Schranz einen dynamischen und ergebnisoffenen Gemeindeentwicklungsprozess (Lokale Agenda 21), bei dem gemeinsam mit der Bevölkerung in einem Soll- und Ist-Vergleich geeignete Maßnahmen für ein lebenswerteres Kauns erarbeitet wurden. Der daraus entstandene Maßnahmenkatalog - über 100 konkrete Projektideen wurden nach ihrer Dringlichkeit sowie Machbarkeit überprüft und kategorisiert - stellt nun für die kommenden Jahre eine wesentliche Unterstützung für eine zielgerichtete, verantwortungsbewusste und zukunftsfähige Arbeit in der Gemeinde dar. Besonders erfreulich ist, dass durch den Prozess und die gemeinsame Ausarbeitung des Maßnahmenkatalogs nicht nur eine bürgernahe Arbeitsweise in der Gemeinde etabliert wurde, sondern auch die Stärken der kleinen Berggemeinde weiter gestärkt werden konnten: so ist zu beobachten, dass bei der laufenden Umsetzung der jeweiligen Projekte vor allem auch das Miteinander und die gemeinschaftliche Beteiligung vieler Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund steht.

Ansprechpersonen

Kernteam vor Ort: Bürgermeister Matthias Schranz,
Vizebürgermeister Thomas Zangerl

Prozessbegleitung: Smartvillage GmbH

LA21-Leitstelle im Bundesland: Geschäftsstelle für Dorferneuerung und Lokale Agenda 21 des Landes Tirol, DI Diana Ortner, DI Roman Schöggl

Prozessverlauf der Lokalen Agenda 21 in Kauns

Im Mittelpunkt des kompakten Arbeitsprozesses in der Gemeinde Kauns (von Anfang März bis Ende Oktober 2018) wurde eine Potentialanalyse verortet. Dabei wurden die erreichten Ist-Werte (Stärken & Schwächen der Gemeinde) den erhobenen Soll-Werten (Wünsche und Erwartungen der Bevölkerung sowie Chancen und Risiken) gegenübergestellt. Folgende Themenschwerpunkte standen im Vordergrund:

  • Nachhaltigkeit & Klima
  • Dorfentwicklung & Wohnen (nachhaltiger Umgang mit Boden)
  • Familie, Jugend, Senioren & Vereine
  • Wirtschaft & Digitalisierung

Entsprechend dieser Grundkonzeption folgten drei Projektschritte:

  • Ist-Analyse: Im ersten Projektschritt wurde eine Bestandsaufnahme nach den definierten Themenschwerpunkten durchgeführt. Dazu wurden zunächst die Daten und Fakten der Gemeinde zusammengetragen und hieraus die Stärken und Schwächen der Dorfstruktur erörtert, sowie die wichtigsten Themen definiert (Faktenanalyse). Im Rahmen einer Raumpotenzialanalyse wurden die infrastrukturellen und raumplanerischen Gegebenheiten für mögliche Projektentwicklungen erhoben.
  • Soll-Analyse: Um den IST-Zustand der Gemeinde mit dem SOLL-Zustand vergleichen zu können, wurde in der zweiten Projektphase die Ideen und Wünsche der BürgerInnen erhoben. Alle Bürger der Gemeinde Kauns wurden eingeladen, sich an der Gestaltung ihrer Gemeinde aktiv zu beteiligen. Dazu wurden mehrere Kanäle und Möglichkeiten zur Verfügung gestellt: Fragebogen, Online-Befragung, Workshops, etc. Durch die Einsetzung von Perspektiven-Gruppen zu den einzelnen Themenbereichen wurden Teilaufgaben des Bürgerbeteiligungsprozesses auch durch Verantwortliche der Gemeinde selbst übernommen. Der Beteiligungsprozess wurde zudem durch geeignete Rahmenaktivitäten (Malwettbewerb, Kinderparlament und Projekte im Naturparkkindergarten und Naturparkschule) sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Alle Ideen und Anregungen wurden daraufhin gesammelt und in einem umfangreichen Ideen-Katalog zusammengefasst.
  • Umsetzung der Maßnahmen: Im Bürgerbeteiligungsprozess wurden 159 Fragebögen abgegeben, 108 Personen besuchten einen der beiden Workshops. Mehr als 600 Verbesserungsvorschläge und Anregungen konnten so erarbeitet werden. Unter der Prämisse einer möglichst geringen finanziellen Belastung des Gemeindehaushalts wurden die Maßnahmen in der dritten Phase des Projekts hinsichtlich ihrer Dringlichkeit und Machbarkeit priorisiert. Dabei wurden sowohl die vorhandenen Stärken und Schwächen als auch zukünftige Chancen und Risiken in die Entscheidungsgrundlage einbezogen. Die einzelnen Maßnahmen haben dabei auch eine rechtliche, finanzielle sowie technische/planerische Bewertung erfahren. Bei einer abschließenden Bürgerversammlung wurden alle Maßnahmen präsentiert und diskutiert.

Projekte und Aktionen

  • Kinderparlament: Um auch den ganz jungen Bürgerinnen und Bürgern von Kauns beim Prozess "zukunft.kauns - ein Dorf im Wandel" eine Chance zu geben, ihre Meinungen und Wünsche zu äußern, entwickelte sich unter dem Lehrkörper der Volksschule und einigen Personen der Gemeinde die Idee, die Gelegenheit zu nutzen, um ein Kinderparlament ins Leben zu rufen. Dies vor dem Hintergrund, dass Kinder und Jugendliche als wichtigste Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde anzusehen sind. Nach der erfolgreichen Durchführung hat sich gezeigt, dass die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in politische Entscheidungsprozesse auch ein neues Verständnis im Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen mit sich gebracht hat. Es wurde das Bewusstsein gestärkt, dass Kinder vollwertige, gleichberechtigte und noch länger als zukünftige Bewohner der Gemeinde angesehen werden müssen. Damit dieses Verständnis zur Selbstverständlichkeit wird, wurde vom Gemeinderat beschlossen, das Kinderparlament regelmäßig zu wiederholen und somit diese Partizipationsmöglichkeit systematisch und kontinuierlich in die Kommunalpolitik zu etablieren. Inzwischen wurde diese Vorgehensweise auch mit dem Österreichpreis „Gemeinden für Familien“ 2019 durch das Bundesministerium ausgezeichnet.
    Kauns zuHause – leistbaren Wohnraum schaffen: Bürgermeister Matthias Schranz ist mit Grundstücksbesitzenden intensiv in Verhandlungen getreten, um leistbaren Wohnraum in Kauns zur Verfügung stellen zu können. Ein erster Erfolg dieser Bemühungen könnte das neue Wohnprojekt des sozialen Wohnbauträgers Neue Heimat Tirol darstellen. Geplant ist, ein Wohnprojekt für alle Generationen, Jung und Alt, umzusetzen. Dadurch sollen einerseits weiterhin ältere Mitmenschen in der Gemeinde gut betreut werden können, andererseits jungen Menschen die Möglichkeit geboten werden, in Kauns günstigen Wohnraum zu erhalten. In Zusammenarbeit mit der Pfarre und der Gemeinde Kauns plant die Neue Heimat Tirol eine Wohnanlage mit mehreren Mietwohnungen und Abstellplätzen. Eine entsprechende Bedarfserhebung ist gerade im Laufen.
  • Windelbonus: Der Gemeinderat hat eine finanzielle Bezuschussung von Familien mit Kindern bis zu einem Lebensalter von drei Jahren und von dauerhaft inkontinenten Personen durch eine jährlich einmalige direkte Förderung an die müllgebührenpflichtigen Personen (auch Mieter) beschlossen. Auf Antrag erhalten bezugsberechtigte Personen einen Pauschalbetrag in Höhe von 50 Euro pro Jahr. Familien mit mehreren Kindern unter drei Jahren erhalten den Förderbetrag entsprechend der Anzahl der Kinder. Dauerhaft inkontinente Personen können die Förderung zeitlich unbefristet erhalten.
  • Miteinander Kauns aufräumen: Mit tatkräftiger Unterstützung der Feuerwehr fand in Kauns erstmals eine Flurreinigung statt. Bei schönem Wetter beteiligten sich ca. 20 Kinder und 30 Erwachsene (also circa 10 Prozent der Bevölkerung). In kurzer Zeit konnten rund 850 kg Müll gesammelt werden.
  • Naturparkkindergarten und Naturparkschule: Im Projektschwerpunkt Umweltschutz hat sich die Volksschule Kauns und der Kindergarten Kauns intensiv mit dem Thema Schmetterlinge beschäftigt. Durch Lieder, Spiele, Bücher und natürlich durch das Beobachten und Erforschen konnten die Kinder selbst erfahren, wie sich ein Schmetterling entwickelt, welche verschiedenen Schmetterlinge es gibt und vieles mehr. Dabei wurde u.a. auch die Kauner Trockenwiesen besichtigt, ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche wärmeliebende Pflanzen und Tiere. Am Ende des Projekts wurden dem Kindergarten und der Volkschule Kauns das Prädikat zum Naturparkkindergarten und Naturparkschule verliehen.
  • Geschwindigkeitsbeschränkung: Da auf den Gemeindestraßen von Kauns viele Engstellen, unübersichtliche Hauszufahrten und die Sicht einschränkende Bebauung nah an der Straße bestehen und es derzeit auch keine klaren Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt, hat der Gemeinderat beschlossen, ein verkehrstechnisches Gutachten erstellen zu lassen und eine Geschwindigkeitsbeschränkung umzusetzen.
    Spielplatz: Der in die Jahre gekommene Spielplatz und einige nicht mehr voll funktionsfähige Spielgeräte sollen instandgesetzt werden. Diese Lösung wurde vor dem Hintergrund getroffen, dass eine komplette Neuerrichtung des Spielplatzes nicht nur extrem teuer wäre, sondern auch dem Nachhaltigkeitsgedanken widerstrebt hätte. Ein großer Wunsch von Kinder und Eltern, ein großes Sonnensegel, soll ebenso umgesetzt werden.
  • Erfolgsüberprüfung: Damit ein permanenter Umsetzungs‐ und Lernprozess (Ziele setzen – Projekte planen – Projekte umsetzen – evaluieren) realisiert werden kann, wurde beschlossen, jährlich durch den Gemeinderat eine Evaluierung der Umsetzung der Maßnahmen aus dem Gemeindeentwicklungsprozess durchzuführen und das Ergebnis in der der Gemeindezeitung zu veröffentlichen.

Ausblick

Im Rahmen der Umsetzungsbestrebungen einiger Projektideen konnten bereits interessante Kooperationen begründet werden und lassen darauf hoffen, dass diese in nächster Zeit realisiert werden könnten:

  • Digitaler Dorfladen: Ein neues Konzept soll den Nahversorger-Engpass in Kauns beenden. Dieses beinhaltet einen digitalen Dorfladen mit auch Produkten aus der Gemeinde sowie Online-Lieferservice. Ein Tiroler Lebensmittelhändler hat Interesse daran, die Idee aufzugreifen, lokale Online-Shops zu realisieren. Die Logistik könnte durch lokale oder regionale Betriebe übernommen werden.
  • ZÅMM HALFA: Wie in vielen ländlichen Gemeinden so hat auch in Kauns die lokale Kommunikation und Interaktion, sowie im Speziellen das soziale Engagement und die generationsübergreifende Hilfe, etwas nachgelassen. Dabei sind gerade heute viele Menschen auf die Unterstützung anderer angewiesen – Kinder, ältere Mitmenschen, Pflegebedürftige oder auch Vereine. Eines der wichtigsten Ergebnisse aus dem Projekt zukunft.kauns ist, dass sich die Menschen in der Gemeinde gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, welche Maßnahmen umgesetzt werden können, damit sich Menschen wieder vermehrt austauschen und sich unbürokratisch gegenseitig helfen können. Nur so kann das lokale Zusammenleben attraktiver und nachhaltiger gestaltet werden. In einem Workshop wurde die Idee artikuliert, eine Art Sozialbörse auf der Internetseite einzurichten. Schließlich bietet das Internet viel mehr Möglichkeiten, sich zu vernetzen und effizienter auszutauschen. Hilfesuchende und Hilfebietende können dadurch schnell und unkompliziert zusammengebracht werden. Es wird derzeit mit einer IT-Firma verhandelt, eine entsprechende Software für Gemeinden bereitzustellen.
  • Services & alternative Mobilitätsangebote: In diesem Zusammenhang werden derzeit Angebote für Carsharing (Elektroautos) sowie Möglichkeiten für Park & Ride in anderen Gemeinden ausgelotet.

Redaktion und Rückfragen

Gemeinde Kauns: Bürgermeister Matthias Schranz
E-Mail: buergermeister@kauns.tirol.gv.at

Smartvillage GmbH: Dr. Thomas Ziegler
E-Mail: t.ziegler@smartvillage.at