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03: Michaelnbach “Wir gestalten miteinander unser Michaelnbach lebenswert“ - Dieser Spruch ziert die Fassade des Gemeindeamtes im oberösterreichischen Michaelnbach. Er bringt deutlich zum Ausdruck, dass ein lebenswerter Ort nur dann realisierbar ist, wenn sowohl Bürgerinnen und Bürger, als auch die politisch Verantwortlichen eine gemeinsame Gestaltung des Lebensumfeldes anstreben.

Das engagierte Agenda 21-Kernteam in Michaelnbach ist seit Jahren ein „Aufbereiter“ des Bodens für langfristige und nachhaltige Entwicklung. Dafür braucht es Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Offenheit sowie ideelle und organisatorische Unterstützung seitens der Gemeindeverantwortlichen. Gelebt wird dieses Miteinander in Michaelnbach seit dem Jahr 2007, als die Agenda 21 mit dem Basisprozess startete. Somit kann die Gemeinde bereits auf 10 Jahre gelebte und gelungene Bürgerbeteiligungstradition zurückblicken.

Kurzprofil zur Gemeinde

Die Gemeinde Michaelnbach liegt am Rand des oberösterreichischen Zentralraums im Bezirk Grieskirchen und umfasst 32 Ortschaften. Durch die zentrale Lage im Innviertel-Hausruck positioniert sich Michaelnbach als wichtige Wohngemeinde in der Region. Zwei Leitbetriebe in den Bereichen Metallverarbeitung und Lebensmittelproduktion bieten Arbeitsplätze vor Ort. Zudem profitieren die Auspendlerinnen und Auspendler von der Nähe zur Bezirkshauptstadt Grieskirchen und der guten Anbindung an den oberösterreichischen Zentralraum.

Den etwa 1.260 Einwohnerinnen und Einwohnern stehen Bildungseinrichtungen (Kindergarten, Volksschule, Bücherei), Sportstätten (Eisstockbahn, Fußball, Tennis), ein Wanderwegenetz, sowie heimische Gastronomiebetriebe zur Verfügung. Eine bunte und vielfältige Vereinslandschaft sorgt für Gemeinschaft bei Jung und Alt.

Ansprechpersonen

Agenda 21-KoordinatorInnen:  Jakob Zauner, Maria Lehner-Dittenberger, Bgm. Martin Dammayr

Agenda 21-ProzessbegleiterIn: DI Alexander Hader, DI Eva Seebacher

Regionalmanagement OÖ, GST Innviertel-Hausruck, Fachbereich Nachhaltigkeit und Umwelt: DI Stefanie Moser

Leitstelle Agenda 21 in Oberösterreich: DI Günther Humer, MSc; Mag. Josef Neuböck; Sylvia Aistleitner

Prozessverlauf der LA 21 in Michaelnbach

Alles begann mit dem Agenda 21-Basisprozess im Jahre 2007 …

… im Rahmen dessen die erste dreitägige Michaelnbacher Ideenwerkstatt stattfand. Zu diesem intensiven und sehr erfolgreiche Beteiligungsformat wurde die Bevölkerung zum Nachdenken über ihre gemeinsame Zukunft eingeladen. Neben ersten Impulsen und Anregungen aus den Ideenboxen, welche die Ideen der Bürgerinnen und Bürger im gesamten Gemeindegebiet abholten, wurde unter professioneller Prozessbegleitung an den relevanten Themen für den Ort Michaelnbach im generellen und aufgrund der damals im Raum stehenden Schließung des Lebensmittelgeschäfts, an nachhaltigen Lösungen für die Nahversorgung im speziellen gearbeitet.

In sechs Zukunftsdialogen (Themenbereiche: Landwirtschaft, Energie und Umwelt; Bildung und Kultur; Wirtschaftliche Entwicklung; Soziales; Jugend; Ortsentwicklung) entstanden zahlreiche große und kleine Ideen, die in den darauffolgenden Jahren erfolgreich in Richtung Umsetzung vorangetrieben wurden: Zum Beispiel die Sicherung der Nahversorgung durch Bewusstseinsschärfung und Engagement für eine Lösung mit einem Nahversorger im Ort; anschließender Bau eines Kommunalgebäudes, das nun ein Lebensmittelgeschäft und das Musikheim beheimatet; Zwergerltreff in der Bücherei; Soziales Netzwerk „Hand in Hand“ sowie einen regelmäßigen Mostkirtag als vereinsübergreifende Veranstaltung usw.

Der erste Agenda 21 Follow Up Prozess folgte 2012…

Im November 2012 setzte Michaelnbach im Rahmen eines Agenda 21 Folgeprozesses gemeinsam mit der Bevölkerung den nächsten, wegweisenden Schritt zur nachhaltigen Gestaltung der Gemeinde. Erneut machten sich wieder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im Rahmen eines dreitägigen Ideenkirtags Gedanken über ihr Lebensumfeld und arbeiteten engagiert an ihren gemeinsamen Zukunftsthemen.

Im Fokus dieses Prozessschrittes stand neben dem Bau eines Feuerwehrhauses als Zivilschutzzentrale vor allem auch die Gestaltung zweier großer naturnaher Spielplätze, deren Pläne gemeinsam mit den Schülerinnen der Volksschule mit großer Begeisterung erarbeitet wurden. Außerdem wurde gemeinsam mit der Michaelnbacher Bevölkerung der Rückbau des Michaelnbaches in sein natürliches Bachbett entschieden und umgesetzt. Mit den Volksschulkindern wurden zum Abschluss für jeden Michaelnbacher und jede Michaelnbacherin ein Baum entlang des „neuen“ Michaelnbaches gepflanzt. Alle diese umgesetzten Projekte prägen das neue Erscheinungsbild der Gemeinde und tragen wesentlich zur sukzessiven Steigerung der Lebensqualität für die Bevölkerung und durch die solidarische Umsetzung zur Identifikation mit dem Ort bei.

10 Jahre Agenda 21 in Michaelnbach und kein wenig müde…

10 Jahre nach dem ersten Bürgerbeteiligungsprozess startete die Gemeinde mit ihren Bürgerinnen und Bürgern unter dem Motto: „Mitdenken – Mitreden – Mitmachen“ in den zweiten Follow Up Prozess und somit in die dritte Agenda-Runde.

Im Vorfeld des Ideenkirtages führte das Agenda 21 Kernteam den Willkommens-Check des Regionalmanagements Oberösterreichs aus, der bereits eine erste Standortbestimmung und Analyse der verschiedenen Lebensbereiche  Wohnen, Beruf, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur beinhaltete.

Digitale Beteiligungsformate

Auch methodisch entwickelte sich die Gemeinde weiter: Im jüngsten Agenda 21-Prozess kamen neben dem bereits bewährten mehrtägigen Format des Ideenkirtags auch digitale Beteiligungsformen zum Einsatz. Michaelnbach ist eine der beiden oberösterreichischen Testgemeinden, die in einem Pilotprojekt gemeinsam mit der Oö. Zukunftsakademie die Bürgerbeteiligungs-App „Bürgercockpit“ entwickelten und in einen laufenden Prozess integrieren.

Mit der App hatten auch Gemeindebürgerinnen und -bürger, die nicht permanent vor Ort sind, die Möglichkeit, sich bei der Mitgestaltung ihrer Ursprungsgemeinde aktiv einzubringen. Das Bürgercockpit war insbesondere auch ein wichtiges Werkzeug, um die Zielgruppe der Jugendlichen für die aktive Mitgestaltung ihres Lebensumfelds zu gewinnen. Im Frühjahr 2017 konnten sich Jugendliche gezielt beim Bürgercockpit engagieren und ihre Projekte vorantreiben. Bereits im darauffolgenden Herbst und nach Ausarbeitung des Konzepts startete eine Jugendgruppe mit der Adaption der Räumlichkeiten für einen Jugendraum im ehemaligen Feuerwehrhaus.

Im November 2017 stand mit einem weiteren, dreitägigen Ideenkirtag das Herzstück des dritten Follow Up Prozesses an. Neben großen Plenumsrunden für alle Bürgerinnen und Bürger, wurde auch zielgruppenspezifische Beteiligung für Volksschüler, Eltern und Senioren realisiert. Die Ideen sowie Anregungen aus den Workshops, aus den Ideenboxen und dem Bürgercockpit bildeten die Grundlage für jene Leitthemen, aus denen nun wieder zukunftsweisende Umsetzungsprojekte zu folgenden Themen entwickeln werden:

  • Unser Miteinander … (Dorfgemeinschaft, Vereine, Zugezogene)
  • Jugend
  • Ortsplatz – eine einladende Mitte für unser gesellschaftliches Leben
  • Wohnen und Leben in Michaelnbach
  • Verkehrssicherheit
  • Bildung, Talente, (altes) Wissen

Projekte und Aktionen

Vergleicht man alte Fotos mit aktuellen Ansichten, so hätte sich wohl niemand gedacht, welche Veränderungen sich innerhalb eines Jahrzehnts in Michaelnbach ergeben.

Sicherung der Nahversorgung: Drei Monate war das kleine Lebensmittelgeschäft im Ort 2009 zugesperrt. Welch großen Stellenwert das Geschäft und somit die Nahversorgung vor Ort hatte, zeigte die rege Beteiligung beim ersten Agenda 21-Prozess im selben Jahr, welcher speziell zum Schwerpunkt „Sicherung der Nahversorgung im Ort“ stattfand.

Dank gemeinschaftlichem Engagement konnten im Rahmen des Agenda 21 Basisprozesses ein gemeinsames Nutzungskonzept erarbeitet und anschließend der Bau eines Kommunalgebäudes mit Räumlichkeiten für ein Geschäft und ein neues Musikheim realisiert werden. 2011 wurde das Gebäude eröffnet.

Renaturierung des Michaelnbaches

Anfang der 60er-Jahre wurden weite Teile des Michaelnbaches – so wie viele andere Fließgewässer im Land – reguliert.

Eine Maßnahme, die, wie man heute weiß, einerseits die Ökologie der Gewässer stark eingeschränkt und anderseits die Hochwassersituationen in Beckenlagen drastisch verschärft. Im Rahmen der Agenda 21 konnte das Bewusstsein für dieses Thema in der Bevölkerung geschärft und die Renaturierung vorangetrieben werden. Auf einer Länge von ca. 400 m entstand ein Naturparadies für Mensch und Tier, das neben einem ökologischen Biotop, auch beliebtes Naherholungsgebiet für Groß und vor allem Klein wurde. Kinderträume werden hier wahr – über umgestürzte Bäume klettern, Staudämme bauen, barfuß im Bach waten oder Tiere in und außerhalb des Baches beobachten.

Naturnahe Spielplätze

Spiel, Spaß und Spannung sind gefragt, wenn Kinder in der Natur spielen. In den Pausen konnte der „alte“ Schulgarten nicht genutzt werden, da er parallel zur Hauptstraße im Ort verläuft und daher die Sicherheit der Kinder nicht gewährleistet war.

Beim zweiten Ideenkirtag 2012 waren die Kleinsten in Michaelnbach gefragt. Die Kinder der Volksschule wurden eingeladen, ihre ganz individuellen Modelle für ihre gemeinsamen Wunsch-Spielplätze zu basteln.

Die Künstlergruppe „Wüdwux“ arbeitete sodann die Vorschläge der Kinder in die Umsetzungspläne ein. Die Kinder überzeugten sich regelmäßig von den Fortschritten und legten zum Schluss auch selber Hand an und halfen fleißig beim Bau mit.

Michaelnbach (er)wandern: Wandernd die Natur genießen, ist für viele Michaelnbacherinnen und Michaelnbacher der perfekte Ausgleich zur Hektik des Alltages. Das Gemeindegebiet bietet für Spaziergänge und Wanderungen gute Gelegenheiten. Bereits vor einigen Jahren wurden Wanderrouten ausgeschildert und Rastbänke aufgestellt. Eine Projektgruppe beschäftigte sich mit dem Ausbau des Wegenetzes und der Erstellung einer Wanderkarte, die beim Familienwandertag präsentiert wurde und nun der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Ausblick

Die Gemeinde Michaelnbach hatte im Jubiläumsjahr 2017 in einem intensiven Follow Up-Prozess an der weiteren Umsetzung des Zukunftsprofils gearbeitet und befindet sich aktuell in der Startphase zur Projektumsetzung. Der Fokus der aktuellen Projekte liegt vor allem auf dem Miteinander:

Ortsplatz

Nach dem Abriss des alten Lebensmittelgeschäftes liegt derzeit eine großzügige Fläche im Ortszentrum frei. Dieser offene Platz soll nun zum attraktiven Treffpunkt für das Zusammenleben in Michaelnbach entwickelt werden. Beim Ideenkirtag wurden zahlreiche Ideen für notwendige Funktionen dieses Platzes erarbeitet. Diese werden in der weiteren Projektumsetzung intensiv diskutiert, vertieft und zu einem Gesamtnutzungskonzept für den Platz ausgearbeitet und fließen in die konkrete Planung mit ein. Bereits beim Ideenkirtag wurde deutlich, dass es ein Platz der Begegnung und Kommunikation werden soll, ein Treffpunkt für Jung und Alt, eine gemeinsame Mitte für Michaelnbach.

Neues Wohnen in Michaelnbach

Wo und wie werden wir in der Zukunft wohnen? Diese zentrale Fragestellung steht im Mittelpunkt der Überlegungen zum Thema Wohnen in Michaelnbach. Dabei geht es neben den Fragen nach passenden und ressourcenschonenden Flächen für Siedlungsentwicklungen auch um das Thema wie Siedlungen und Dörfer künftig gestaltet sein müssen, damit die Menschen dort Lebensqualität erleben können.

Zudem steht auch die Frage im Raum wie kostengünstiger, nachhaltiger und flächensparender Wohnraum mit verschiedensten Nutzergruppen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden kann. Die Nutzung von leerstehenden Gebäuden und auch Gebäudeteilen im Gemeindegebiet soll dabei ebenso mitgedacht werden.

Bildung/Talente/(altes) Wissen

Viele Talente und Fähigkeiten schlummern in den Michaelnbacherinnen und Michaelnbachern. Das Thema des gemeinsamen von- und miteinander Lernens war bereits zentraler Bestandteil des Ideenkirtags. Zu diesem Thema entwickelt nun eine Agenda 21-Projektgruppe ein Bildungsprogramm, das sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort orientiert und vor allem auch vor Ort schlummerndes Potential der Bürgerinnen und Bürgern aufspüren und allen zugänglich machen soll.

Agenda 21 und Michaelnbach – eine Erfolgsstory

In Michaelnbach wird Agenda 21 und damit Bürgerbeteiligung seit über 10 Jahren aktiv gelebt. Dem zu Grunde liegt die Überzeugung, dass die Entwicklung und Umsetzung erfolgreicher Gemeindeprojekte nur gemeinsam mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern zielführend sein kann. Diese aktive Bürgerbeteiligung wird seit dem ersten Agenda 21 Basisprozess im Jahr 2007 forciert und somit eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde vorangetrieben.

Bei den zu entwickelnden Projekten wie etwa beim Bau eines Kinderspielplatzes oder der Gestaltung von Fassaden achtet die Gemeinde auf möglichst kreative und ansprechende Umsetzung mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern.

Zudem werden bereits aktive Gruppen in neue Entwicklungen mit eingebunden. Neben diesen Erfolgsfaktoren, einem engagierten Kernteam und nicht zuletzt einem wegweisenden Zukunftsprofil ist es zu verdanken, dass die Lebensqualität in Michaelnbach in den vergangenen 10 Jahren laufend und sichtbar verbessert werden konnte.

Redaktion und Rückfragen

Bürgermeister Michaelnbach: Martin Dammayr, buergermeister@michaelnbach.ooe.gv.at , 0664/547 12 00

Regionalmanagement OÖ, GST Innviertel-Hausruck, Fachbereich Nachhaltigkeit und Umwelt: DI Stefanie Moser, stefanie.moser@rmooe.at, 07722/65 100-8146

Die Inhalte dieser Seite wurden von der Gemeinde Michaelnbach und Regionalmanagerin Stefanie Moser gestaltet.